Stühlerücken beim CCC

Müller-Maguhn nicht mehr im Vorstand

06.02.2012
Hacker, Bürgerrechtler und Experten: Der Chaos Computer Club begleitet seit drei Jahrzehnten die Entwicklung der digitalen Gesellschaft.

Einer ihrer Pioniere ist jetzt nicht mehr im Vorstand. Hintergrund ist der Streit um Whistleblower Daniel Domscheit-Berg.

Andy Müller-Maguhn auf der SIGINT Köln 2009
Andy Müller-Maguhn auf der SIGINT Köln 2009
Foto: Raimond Spekking (CC BY-SA 3.0)

Im Streit zwischen zwei prominenten Aktivisten des Chaos Computer Clubs hat die Mitgliederversammlung ein Machtwort gesprochen: Der Ausschluss des Whistleblowers Daniel Domscheit-Berg wurde rückgängig gemacht, und CCC-Pionier Andy Müller Maguhn wurde nicht mehr in den Vorstand gewählt. Nach intensiver Aussprache sei der umstrittene Vorstandsbeschluss vom August vergangenen Jahres aufgehoben worden, teilte der CCC am Sonntagabend mit.

Müller-Maguhn hatte Domscheit-Berg im Sommer 2011 vorgeworfen, den guten Ruf des CCC missbraucht zu haben, indem er den Eindruck erweckt habe, der Club habe "eine Art Sicherheitsüberprüfung" für seine Whistleblower-Plattform OpenLeaks übernommen. Der Grund für das Zerwürfnis reichte jedoch tiefer und betraf auch die Umstände von Domscheit-Bergs Bruch mit der Enthüllungsplattform Wikileaks und deren Gründer Julian Assange.

Müller-Maguhn sagte nach dem Beschluss vom August, es sei dem Vorstand klar gewesen, dass die Entscheidung kontrovers diskutiert werde. "Aber Kontroversen gehören auch zum Charakter des Clubs." Jetzt zeigte sich, dass die Kritiker des Ausschlusses eine Mehrheit unter den Mitgliedern hatten.

Müller-Maguhn trat dem CCC 1986 bei und war lange Zeit Sprecher und Vorstandsmitglied des Clubs. Im Jahr 2000 wurde er für zwei Jahre zu einem ehrenamtlichen Direktor der Internet-Verwaltungsorganisation ICANN gewählt.

Neuer Vorsitzender des CCC-Vorstands ist jetzt Christian Carstensen. Sein Vorgänger Peter Franck wurde zum Stellvertreter gewählt. Komplettiert wird das Gremium von Dirk Große-Allermann und Martin Haase, die beide wiedergewählt wurden. (dpa/tc)

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