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MPF: Transitive - eine neue Bedrohung für Intel und ARM?

11.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auf dem Micro Processor Forum in San Jose in der kommenden Woche will eine britisch-kalifornische Startup-Firma (hinter weitgehend verschlossenen Türen) eine neue Technik demonstrieren, die die etablierte Prozessorwelt erheblich durcheinander wirbeln könnte. Transitive Technologies Ltd. hat unter dem Namen "Dynamite" eine "CPU-Morphing"-Software entwickelt, die plattformspezifischen Code auf anderen Architekturen ablaufen lässt - wieder einmal ein neuer Versuch in diesem (bislang mit Ausnahme von Transmeta) eher erfolglosen Feld.

Im Rahmen des MPF zeigt Transitive zunächst "Dynamite X/M", das x86-Code auf RISC-Prozessoren des SGI-Ablegers MIPS bringt. Grundsätzlich, so die Company, sei das Produkt jedoch modular ausgelegt - mit austauschbaren Frontends (Eingangscode) und Backends (Zielcode). Dieses Konzept gestatte praktisch beliebige Kombinationen von Chip-Architekturen - zunächst im Embedded-Bereich sollen bis Ende kommenden Jahres alle wichtigen Plattformen unterstützt werden.

Dynamite X/M läuft bislang unter Linux, andere Embedded-Betriebssysteme wie Windows CE oder VxWorks sollen in naher Zukunft dazukommen. Die Übersetzung von einer Architektur auf die andere findet laut Transitive zur Laufzeit statt. Dabei optimiere die Software die Ausführung dynamisch und "lernfähig" - im Gegensatz zu statischen Optimizern, wie sie etwa Compiler verwendeten. Die meisten Anwendungen entsprechen demnach einer "90:10-Regel", wonach 90 Prozent aller Softwareaktivitäten durch nur zehn Prozent des insgesamt geschriebenen Code entstehen. Dynamite soll in der Lage sein, genau diese zehn Prozent ausfindig zu machen und dort entsprechend zu optimieren.

Die generelle Verfügbarkeit von Dynamite X/M kündigt der Anbieter, der auch dem MIPS Alliance Program (MAP) beigetreten ist, für Dezember dieses Jahres an. Testversionen des Produkts seien bereits jetzt erhältlich.