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Mozilla schickt Thunderbird gepflegt in den Ruhestand

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Die Mozilla-Stiftung wird ihren Email-Client "Thunderbird" nicht mehr funktional weiterentwickeln.
Mitchell Baker (auf der re:publica 2011)
Mitchell Baker (auf der re:publica 2011)
Foto: (cc) Jonas Fischer/re:publica

Das teilte Mozilla-Chefin Mitchell Baker am Freitag in einem Blogpost mit. Man habe Thunderbird zum wiederholten Male auf den Prüfstand gestellt und sei zu dem Schluss gekommen, dass Innovation heute einfach woanders stattfinde als in Standalone-Email-Clients für den Desktop.

Thunderbird wird deswegen im aktuellen Zustand "eingefroren", erhält aber als "Extended Support Release" weiterhin Sicherheits-Updates. Der Community steht es außerdem frei, die Software auch funktional weiterzuentwickeln (was angesichts des bisherigen Engagements für Thunderbird eher unwahrscheinlich erscheint). Das ohnehin nur kleine Thunderbird-Team geht wieder in der Produktorganisation von Mozilla auf.

Damit geht eine durchaus wechselvolle Geschichte wohl allmählich zu Ende. Thunderbird wurde bei Mozilla (ab 2003) anfangs vom gleichen Team wie der viel populärere Browser Firefox entwickelt. 2008 wurde dann der Ableger Mozilla Messaging etabliert, um Thunderbird dediziert voranzutreiben. Das ging weniger gut als erhofft; Mozilla Messaging war deswegen schon früher in diesem Jahr mit den Mozilla Labs zusammengelegt worden.

Mitchell Baker selbst benutzt zwar nach eigenen Angaben den Thunderbird noch selbst, wird damit aber immer mehr zur Ausnahme. Zumindest Privatleute erledigen ihre stationäre Email-Kommunikation mittlerweile primär über Webmail-Dienste; in Unternehmen dominieren wie gehabt primär die Cients von Microsoft ("Outlook") und IBM Lotus ("Notes"), die allerdings ihre jeweiligen Server-Pendants "Exchange" und "Domino" im Backend voraussetzen, um ihre volle Funktionsvielfalt zu entfalten.