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Motorola wollte PalmSource kaufen

10.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Motorola ist auf der Suche nach einem Software-Übernahmekandidaten im Bereich Mobile Computing. Unterdessen wurde bekannt, dass der US-amerikanische Mobilfunkkonzern PalmSource wegen Vertragsbruchs auf Zahlung von 8,69 Millionen Dollar Vertragsstrafe verklagt. Wie aus einer Pflichtveröffentlichung von PalmSource bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, gehörte Motorola neben Access und einem ungenannten Dritten zu den Interessenten an PalmSource.

Den Zuschlag bei der Dreier-Auktion erhielt letztlich Access bei 18,50 Dollar pro Aktie (siehe "Japanische Access schluckt PalmSource"). Motorola war indes davon ausgegangen, dass seine zuvor abgegebene Offerte von 17,25 Dollar je Anteilschein bereits vom PalmSource-Vorstand akzeptiert worden sei und klagt nun deswegen. PalmSource weist alle diesbezüglichen Vorwürfe zurück.

Der Vorgang zeigt jedenfalls, dass Motorola ernsthaft an PalmSource interessiert war - trotz dessen schlechter Bilanzen und der Tatsache, dass sein größter Kunde Palm gerade ins Windows-Lager übergelaufen ist (siehe "Kapituliert Palm vor Microsoft?"). Für PalmSource sprachen sicher dessen ernorm große Entwickler-Community und die Tatsache, dass es dabei war, einen Linux-Kernel in sein mobiles Betriebssystem zu integrieren, nachdem es früher in diesem Jahr China Mobilesoft übernommen hatte (siehe "PalmSource greift im Handymarkt an").

Motorola hatte bereits in der Vergangenheit erklärt, dass es bei seiner langfristigen Produktstrategie ebenfalls auf das quelloffene Betriebssystem setzt. Obwohl das Unternehmen 2002 mit Embedix bereits diverse Linux-Aktiva erworben hatte, setzt es als Basis für seine Endgeräte derzeit auf die Consumer-Electronics-Variante von Montavista Software.

Sowohl Montavista als auch Trolltech aus Norwegen könnten interessante Übernahmekandidaten für Motorola sein - Trolltech bietet eine breite Anwendungsplattform für Embedded Linux an, die auf verschiedenen Smartphones und PDAs auf Linux-Basis eingesetzt wird. Das Unternehmen aus Schaumburg, Illinois, hat außerdem schon das geistige Eigentum des britischen Handy-Entwicklers Sendo sowie eine Reihe von i-mode-Aktivitäten eines französischen Mitsubishi-Ablegers aufgekauft. (tc)