Android-Smartphone mit Intel inside

Motorola Razr i im Praxistest

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Das Motorola Razr i ist eines der ersten Android-Smartphones anstelle der üblichen ARM-Prozessoren mit einer Intel-Atom-CPU ausgestattet. Ob das für ein Comeback des Anbieters reicht? Wir haben uns das Gerät näher angeschaut.
Foto: Motorola

Google-Tochter Motorola Mobility hat es in Deutschland nicht leicht. Wegen Patentstreitigkeiten mit Microsoft und Apple ist die Auswahl an Smartphones und Tablets der Google-Tochter ohnehin stark eingeschränkt, außerdem liegen die erfolgreichen Zeiten, als Motorola das Ur-Razr herausbrachte, etliche Jahre zurück. Mit dem Razr i (XT890) hat der US-Anbieter jetzt ein Android-Smartphone herausgebracht, mit dem er an frühere Erfolge anknüpfen könnte – wenn es im Markt nicht von Geräten geradezu wimmeln würde. Doch immer der Reihe nach.

Schickes Design

Aus rein optischen Gesichtspunkten ist das Razr i durchaus gelungen: Mit der Kombination aus dunklem Flugzeugaluminium und einer gummierten, kevlarunterstützten Rückseite hat das Gerät einen eigenen Stil und trägt mit 126 Gramm und 8,3 Millimeter Dicke auch nicht sonderlich schwer auf. Hervorzuheben ist außerdem der sehr dünne Rahmen (2 mm) um das 4,3-Zoll-Display und die glatte Vorderseite: Hier hat Motorola auf physische Tasten verzichtet, oben befindet sich eine kleine Fläche mit gefrästem Motorola-Schriftzug, links daneben eine LED, die in verschiedenen Farben über den Akkuzustand oder eingegangene Mails, SMS etc. informiert. Rechts an der Seite sitzen An/Aus-Schalter, Wippe für die Lautstärkeregelung und weiter unten eine separate Taste für die Kamera, die damit wirklich in Sekundenschnelle startet, ohne dass erst das Gerät entsperrt werden muss.

Links findet man entsprechend ein abgedecktes Fach für Micro-SD-Karte und Micro-SIM-Karte sowie den (offenen) Slot für den Micro-USB-Anschluss. Die Anbringung ist notwendig, weil sich der Rückdeckel nicht so ohne weiteres abnehmen lässt, vermutlich eine Folge des Spritzwasserschutzes. Dies hat allerdings auch zur Folge, dass sich das Akku nicht wechseln lässt. Angesichts einer Kapazität von 2000 mAh und Standby-Zeiten von mehr als zwei Tagen im Testbetrieb besteht dazu aber auch keine große Notwendigkeit. Außerdem weisen die seitlich am Rahmen angebrachten Torx-Schrauben darauf hin, dass das Gerät im Schadensfall leicht geöffnet werden kann.


Flinker Prozessor

Glanzstück des Razr i ist sicher der Intel-Atom-Single-Core-Prozessor Z2460, der mit bis zu 2 Gigahertz taktet und von 1GB RAM sowie dem - unter anderem im Galaxy Nexus verbauten - Grafikchip PowerVR SGX540 unterstützt wird. Nutzer, die ihre Kaufentscheidung von den reinen Zahlenwerten auf dem Papier abhängig machen, werden dabei angesichts der zahlreichen Android-Smartphones mit Dual- oder Quad-Core-CPUs wohl kaum in Euphorie ausbrechen. In der Praxis gibt sich der Atom-Prozessor jedoch dank Hyperthreading aber wie eine Dual-Core-CPU. Die Leistung fühlt man bereits subjektiv beim Umgang mit dem Razr i, so öffnen sich etwa Anwendungen und Webseiten blitzschnell und ohne Wartezeit. Aber auch diverse Benchmarks beweisen, dass das Gerät im Vergleich zur Konkurrenz durchweg weit vorne mitspielt, bei Quadrant Standard platzierte sich das Testgerät etwa mit 4177 Punkten auf zweiter Stelle hinter dem HTC One X mit Quad-Core-CPU (Nvidia Tegra).

Beim Rest der Bauteile handelt es sich um gehobenen Standard: Der interne Speicher beträgt acht GB, von denen 4,9 GB frei verfügbar sind, weitere 32 GB können immerhin via MicroSD-Karte bereitgestellt werden. So liefert das Super AMOLED Advanced Display leuchtende, leicht unnatürlich wirkende Farben, mit 540 mal 940 Pixeln Auflösung hinkt das Razr i der Konkurrenz aber klar hinterher. Ebenfalls nur mittelprächtig ist die 8MP-Kamera auf der Rückseite. Zwar ist sie mit LED-Blitz ausgestattet, unterstützt vierfachen digitalen Zoom und nimmt Full-HD-Videos (1080p) auf, die Qualität der geschossenen Bilder ist wegen zu geringer Lichtempfindlichkeit aber weniger berauschend. Positiv zu erwähnen ist hier allerdings die Schnellstart-Taste, die Kamera ist in weniger als einer Sekunde aufnahmebereit und ermöglicht so wirkliche Schnappschüsse. Die Frontkamera wiederum taugt mit VGA-Auflösung (0,3 Megapixel) nur begrenzt für Bilder und Videos.

Ansonsten bietet das Razr i die üblichen Features: Das Gerät unterstützt HSPA, WLAN 802.11 a/b/g/n, GPS sowie NFC. Auf LTE-Unterstützung wurde indes ebenso verzichtet wie auf HDMI oder MHL, warum das veraltete Bluetooth 2.1 zum Einsatz kommt, ist ebenfalls unklar.

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