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Motorola-Chef Galvin in (Erklärungs-)Nöten

31.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Chris Galvin, Chairman und CEO (Chief Executive Officer) von Motorola, verkaufte in der letzten Woche 40.000 Aktien des amerikanischen Mobilfunk- und Halbleiterkonzerns - am Mittwoch und damit genau einen Tag vor der Meldung, COO (Chief Operating Officer) Edward Breen werde das Unternehmen verlassen und neuer Chef von Tyco International (Computerwoche online berichtete), nach deren Bekanntwerden der Kurs der Motorola-Aktie um elf Prozent absackte.

Galvin wies auf dem Financial Analyst Day des Unternehmens Vorwürfe wegen Insider-Handels von sich. Er habe die Papiere gemäß Firmenstatuten mindestens drei Tage nach Bekanntgabe des letzten Quartalsergebnisses verkauft und erst am folgenden Tag von Breens Kündigung erfahren. Die verkaufte Anteile waren Teil eines größeren Pakets von 240.000 Aktien, das der Motorola-Chef im Jahre 1992 als Optionen erhalten hatte.

Unabhängig von dem Aktienverkauf erklärte Galvin, ein Investment-Zyklus wie in den späten 90er Jahren werde sich nie mehr wiederholen. Motorola werde aber hoffentlich trotz des schwachen TK-Marktes demnächst wieder jährliche Wachstumsraten um die zehn Prozent erreichen. Kurzfristig werde man sich auf Cash und Wachstum fokussieren. Finanzchef Dave Devonshire nannte als langfristige Planziele zwölf bis 15 Prozent Umsatzplus und operativen Cash-Flow sowie 15 Prozent operative Marge.

Breen-Nachfolger Mike Zafirovski ergänzte, für das laufende dritte Quartal erwarte Motorola weiterhin 6,7 Milliarden Dollar Umsatz und fünf Cent Proforma-Gewinn bei leicht positivem Cash-Flow. Für das vierte Quartal sollen Einnahmen und Proforma-Gewinn 7,5 Milliarden Dollar und 14 Cent je Anteilschein betragen; für das gesamte Geschäftsjahr rechnet der neue COO mit Einnahmen um 29 Milliarden Dollar sowie rund einer Milliarde Dollar operativem Cash-Flow. (tc)