IBM-Guru unkt

Moores Law bald nicht mehr gültig

14.04.2009
Von pte pte
Die Gültigkeit des Mooreschen Gesetzes habe bald ein Ende. Das prophezeite Carl Anderson, IBM-Verantwortlicher für Physical Design in der Server-Division, auf einem Treffen von Chipspezialisten.

Der Chipbranche werde es ähnlich ergehen wie anderen Industriebereichen in der Vergangenheit, deren rasantes Wachstum eines Tages zurückging und sich die Geschwindigkeit, mit der Innovationen gelingen, verringerte. Genauso ist es laut Carl Anderson der Eisenbahn-, Auto- oder Flugzeugindustrie ergangen, berichtet das Technikportal "EETimes". "Moores Law" wurde von Intel-Mitbegründer Gordon Moore 1965 formuliert. Es besagt, dass die Halbleiterindustrie alle 18 Monate die Strukturgröße der Chips halbieren und gleichzeitig die Arbeitsgeschwindigkeit verdoppeln kann. Diese Regel gilt seitdem und verschaffte der Chipindustrie über Jahrzehnte hinweg ein rasantes Wachstum. Damit werde jedoch bald Schluss sein, so Anderson, der bei IBM zum Kreis der Vordenker zählt und in der Branche als Technik-Guru gilt. Bei Moores Law handle es sich eher um eine Faustregel und nicht um ein strenges Gesetz, das befolgt werden müsse.

Gordon Moore: Alle Jahre wieder wird die nach ihm benannte Gesetzmäßigkeit in Frage gestellt.
Gordon Moore: Alle Jahre wieder wird die nach ihm benannte Gesetzmäßigkeit in Frage gestellt.

Als Begründung führt Anderson an, dass die Halbleiterindustrie wie jede Boombranche ein Reifestadion erreichen wird, in dem Innovationen automatisch langsamer erfolgen werden. "Die Eisenbahnbranche hat im 19. Jahrhundert ein exponentielles Wachstum erlebt. Die Automobilindustrie verzeichnete ihre Hochzeit in den 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts", erläutert der IBM-Guru. In der Flugzeugindustrie sei ähnliches zu beobachten gewesen. "Die Geschwindigkeit der Flugzeuge hat sich solange erhöht, bis die ersten Piloten die Schallgeschwindigkeit erreichten", so Anderson. Dann war es vorbei mit dem exponentiellen Wachstum.

In der Chipindustrie wird es sich ähnlich verhalten. "Ein oder zwei Generationen wird die Entwicklung in den Spitzenbereichen noch weitergehen, beispielsweise bei Multicore-Prozessoren. Jedoch merken bereits jetzt Entwickler, dass für Standard-Applikationen nicht die neuesten Chipdesigns notwendig sind", sagt Anderson. Hinzu kommt, dass die Kosten für die Weiterentwicklung enorm steigen. Der Einstieg in eine neue Halbleitergeneration wird für einige Chiphersteller schlichtweg nicht mehr leistbar.

In Zukunft werden sich die Entwicklungen vor allem auf drei Technologien konzentrieren: Einerseits ist dies die optische Datenweiterleitung, andererseits CPU-Beschleuniger und 3D-Chips, bei denen die einzelnen Prozessorkomponenten übereinander gestapelt sind. Die Leistungsbeschleunigung ist hierbei im Moment das interessanteste Thema. AMD hat bereits sehr engagiert an der Integration von Grafikrechenleistung in die herkömmliche CPU gearbeitet. Intel hat mit Larrabee ebenfalls Chips mit integrierter Grafikbeschleunigung angekündigt. (pte)