CNNIC

Mobiltelefone steigen in China zum wichtigsten Internetzugang auf

21.07.2014
Das mobile Internet in China wächst rasant. Mobiltelefone lösen den PC als Tor zum Netz ab. Internetfirmen liefern sich Rabattschlachten um die Vormacht auf dem begehrten Markt.

Handys und Smartphones haben in China erstmals Personal Computer als meistbenutzte Geräte für den Zugang zum Internet abgelöst. "Mobiltelefone sind zum wichtigsten Weg ins Internet aufgestiegen", teilte das halbstaatliche China Internet Network Informationen Center (CNNIC) am Montag in Peking mit. Bis Ende Juni stieg die Zahl der Internetnutzer in China auf 632 Millionen an. Rund 83 Prozent von ihnen oder 527 Millionen Menschen gingen mit ihren Mobiltelefonen online. Gleichzeitig nutzen immerhin noch knapp 81 Prozent der Internetnutzer Personal Computer zum Surfen im Internet.

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In China werden weltweit am meisten Smartphones verkauft. Mobiltelefone gelten für viele Menschen wichtiger als Festnetzanschlüsse oder ein Internetzugang mit PC. Im Gegensatz zu Europa überspringen viele Nutzer die Phase eines Zugangs mit einem klassischen Computer für das Surfen im Internet. Sie greifen gleich zu Handy oder Smartphone.

Mit staatlichen Zuschüssen wird in China der schnelle Datenfunk-Standard LTE ausgebaut. Branchenprimus China Mobile will bis zum Jahresende 50 Millionen Kunden mit LTE versorgen. Der Telekommunikationsausrüster Ericsson prognostiziert, dass im Jahr 2019 jeder vierte Nutzer in China den schnellen Datenstandard nutzen wird.

Um die Dominanz im Geschäft mit mobilem Internet in China ist ein harter Wettkampf zwischen den drei größten Internetfirmen ausgebrochen. Bislang war der Markt aufgeteilt unter Alibaba im Bereich E-Commerce, der Suchmaschine Baidu und Tencent bei Chat-Programmen und Online-Spielen. Mit neuen Anwendungen für Smartphones stoßen die drei Firmen jedoch immer wieder in angestammte Gebiete ihrer Konkurrenten vor.

Chinazentrale von Alibaba in Hangzhou
Chinazentrale von Alibaba in Hangzhou
Foto: Alibaba

Besonders erbittert wird der Wettbewerb bei der Verbindung von Online- und Offline-Dienstleistungen ausgetragen, wie etwa dem Kauf von Kinotickets oder dem Bestellen eines Taxis. Über Wochen lieferten sich Tencent und Alibaba Rabattschlachten um Kunden auf ihren Taxi-Apps. Dadurch waren Taxifahrten in manchen Orten fast kostenlos, wenn Nutzer die App mit ihrem Bankkonto verknüpften. Passagiere ohne die Programme hatten kaum noch eine Chance, ein Taxi zu bekommen. Die Firmen wollten mit den Angeboten die Nutzer dazu bringen, ihre Bankdaten mitzuteilen, und sie an das Bezahlen per Handy gewöhnen.

Ausländische Firmen haben auf dem streng regulierten Internetmarkt in China kaum eine Chance. Internationale Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube sind gesperrt. Dienste von Google werden gezielt verlangsamt oder sind komplett blockiert. (dpa/tc)