Ende der Handy-Zuschüsse in Sicht

Mobilfunker ziehen Kostenschraube an

30.03.2001
HANNOVER (ave) - Schlechte Nachrichten für Telefonierer: Angesichts sinkender Margen im Bereich der Sprachtelefonie wollen die Mobilfunkanbieter die Preise erhöhen. Außerdem sollen die Zuzahlungen für Handys wegfallen.

Die fetten Jahre der mobilen Sprachtelefonie sind vorbei. Maximilian Ardelt, Vorsitzender der Geschäftsführung von Viag Interkom, prognostiziert: "Die enormen Wachstumsschübe gehören der Vergangenheit an." Die hierdurch ohnehin angespannte finanzielle Situation wird noch dadurch verschärft, dass die Carrier nun enorme Summen in künftige Mobilfunktechniken, etwa General Packet Radio Service (GPRS) oder Universal Mobile Telecommunications System (UMTS), investieren müssen - E-Plus geht davon aus, dass der UMTS-Netzausbau und die Entwicklung entsprechender Dienste bis 2005 rund drei Milliarden Euro kosten werden. Die Branche muss also den Gürtel künftig enger schnallen.

Sparen wollen die Carrier vor allem bei der bislang üblichen Bezuschussung von Handys, die dazu führte, dass Kunden die Geräte bei Abschluss eines Vertrags weit unter ihrem tatsächlichen Neuwert bekamen. Laut Jürgen von Kuczkowski, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mannesmann Mobilfunk GmbH, steht die Höhe der Zuschüsse zu den Anschaffungskosten der Handys nicht mehr in Relation zu den Kosten, die von den Kunden durch die Nutzung der Geräte verursacht werden.

Anbieter sind sich einigDie Konkurrenz von E-Plus, T-Mobil und Viag Interkom sieht das ähnlich. D2 wird deshalb die Zuschüsse im Laufe dieses Jahres zurückfahren. Es werde aber keine "kalte Dusche" geben, vielmehr wolle man eine Anpassung in zwei Schritten vornehmen. Genauere Angaben dazu wollte Kuczkowski mit Hinweis auf bevorstehende Gespräche mit den Vertriebspartnern des Unternehmens nicht machen, er betonte jedoch: "Wir meinen es ernst."

Uwe Bergheim, Vorsitzender der Geschäftsführung von E-Plus, bezeichnet den Abbau der Zuschüsse bei der Anschaffung von Handys als "vernünftige Sache". Die Maßnahme sei notwendig, damit die Anbieter Profite erwirtschafteten. Im Mobilfunk sei bislang vergessen worden, "das Preisschild draufzukleben". Auch im Bereich der Prepaid-Karten müssten die Subventionen gekürzt werden, nur so lasse sich dieses Segment profitabel betreiben.

Im Hinblick auf die momentane Verunsicherung der TK-Branche üben sich die Carrier in Optimismus: Die Lage an den Aktienmärkten habe "nichts mit den Entwicklungsperspektiven für globale und starke Mobilfunkanbieter" zu tun, betont Kai-Uwe Ricke, Vorstandsvorsitzender von T-Mobile International.

Die Telekom-Tochter verzeichnet eigenen Angaben zufolge weiterhin ein "stark steigendes" Interesse der Mobilfunkkunden. Um seine Internationalisierung voranzutreiben, kündigte der Konzern eine Erweiterung des Vorstands an: Für die Bereiche Technologie und neue Dienste sowie für verschiedene Regionen sollen eigene Ressorts geschaffen werden. Als längerfristiges Ziel hat sich das Unternehmen vorgenommen, weltweit zu den drei führenden Mobilfunkanbietern zu gehören.

Auch Viag Interkom will den Anschluss in diesem Markt nicht verpassen. Das Münchner Unternehmen gibt sich zuversichtlich, dass GPRS und UMTS einen "atemberaubenden Umbruch der ganzen Branche" einläuten und die Nachfrage im Festnetz bei weitem übertreffen werden. Die dadurch möglichen Datendienste, ist sich Viag-Mann Ardelt sicher, werden die zu erwartenden Einbußen im Bereich der Sprachtelefonie "deutlich überkompensieren".

Plänen, beim Aufbau von UMTS-Netzen mit anderen Netzbetreibern zusammenzuarbeiten, erteilt D2-Mann Kuczkowski allerdings eine klare Absage. Für ihn kommt höchstens eine gemeinsame Nutzung von Sendestandorten (Collocation) in Frage, wie sie auch bisher schon gebräuchlich ist. Außerdem untersage der Regulierer das Infrastructure-Sharing. An die Adresse der anderen Mobilfunkanbieter richtet der D2-Mann eine Warnung: "Wir werden uns zur Wehr setzen, wenn unsere Konkurrenten Kooperationen schließen, die lizenzwidrig sind."

D2 hat sein GPRS-Angebot unlängst gestartet. Trotz derzeit noch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehender GPRS-Handys gibt sich Kuczkowski zuversichtlich, dass bis Ende 2001 "etwa eine Million D2-Kunden" den Dienst nutzen werden.

Hoffnung DatendiensteAlle Mobilfunkanbieter arbeiten an der Entwicklung von Datendiensten für die kommende Mobilfunkwelt. E-Plus will gemeinsam mit der japanischen NTT Docomo deren erfolgreiches "I-Mode"-Konzept für den mobilen Internet-Zugang an den europäischen Markt anpassen. Bereits zur nächsten CeBIT sollen erste Services verfügbar sein. Dazu gehören ortsbezogene Informationen - ein Thema, dem sich auch Viag Interkom ("M-Kompass") und T-Mobil widmen wollen. Die Telekom-Tochter glaubt zudem an Komplettangebote, die Anwendern den mobilen Zugriff auf das Internet und ihr Firmennetz ermöglichen.