Umfrage

Mobilfunker haben den Glauben an Joyn verloren

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Mit dem multimedialen Messaging-Standard Joyn versucht die GSMA, WhatsApp und Co Paroli zu bieten - offenbar vergebens.

Laut einer internationalen Umfrage von Mobilesquared im Auftrag von Tyntec unter mehr als 40 internationalen Mobilfunkanbietern sieht derzeit nur ein sehr geringer Anteil der Befragten in Joyn eine Möglichkeit, sich erfolgreich gegen sogenannte OTT-Anbieter (Over-the-top) wie WhatsApp und Skype am Markt zu behaupten.

Der von der GSMA unterstützte technische Standard RCS-e (Rich Communications Suite enhanced) werde zwar für Endnutzer unter der Marke Joyn schon von einigen Anbietern vermarktet, verliere jedoch aufgrund seiner Komplexität und zu späten Einführung an Unterstützung durch Telekommunikationsdienstleister, heißt es in einer Mitteilung. Ein probates Mittel gegen OTT-Provider wäre Joyn aus Sicht der Carrier nur dann, wenn es sich um ein wirklich globales Angebot handeln würde, an dem weltweit alle Operator teilnehmen.

Von der Konzeption bis zur Markteinführung vergingen bei Joyn sieben Jahre - WhatsApp brauchte dafür sechs Monate...
Von der Konzeption bis zur Markteinführung vergingen bei Joyn sieben Jahre - WhatsApp brauchte dafür sechs Monate...
Foto: GSMA

Bereits 36 Prozent der Befragten arbeiten 2013 schon mit OTT-Anbietern zusammen - dabei sehen klassische Telekommunikationsdienstleister ihren Umsatz durchaus durch Internet-Unternehmen bedroht. Dabei sehen die M(V)NOs WhatsApp mit 36 Prozent als größte Bedrohung, gefolgt von Google und Facebook (jeweils 21 Prozent), Apple (14 Prozent) sowie Skype (sieben Prozent).

"Im Vergleich zu den Umfrageergebnissen des letzten Jahres sehen mittlerweile viele klassische Telekommunikationsdienstleister von einer Blockierung von OTT-Services, Zusatzkosten oder einer Qualitätseinschränkung ab", kommentiert José Garcia, Vice President Sales & Carrier Relations bei tyntec. "Statt einer eigenen OTT-Lösung erweitern sie zum Beispiel ihr A2P-SMS-Portfolio (Application to Person) oder arbeiten zunehmend mit Internet-Anbietern zusammen. Beide Optionen bieten ihnen die Chance, am Erfolg der OTT-Unternehmen teilzuhaben und sich neue Umsatzmöglichkeiten zu erschließen."