Mobiles Arbeiten verlangt Disziplin

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Rund um die Uhr erreichbar zu sein ist nicht jedermanns Sache. Doch wenn gewisse Regeln eingehalten werden, lassen sich die Vorteile mobiler Kommunikation nutzen, ohne dass der Stress zu groß wird.

"Machen Sie es doch, wo Sie wollen - im Büro, zu Hause oder unterwegs" - mit diesem Slogan preist Microsoft das mobile Arbeiten an. Gleichzeitig jagen Tag für Tag geschätzte 60 Milliarden E-Mails durchs weltweite Netz, ein Gutteil davon wird inzwischen auf Laptops oder Handhelds geöffnet. Tendenz: rasant steigend. Hinzu kommen rund 15 Milliarden SMS und ungezählte Handy-Telefonate. Die "mobile Kommunikation" scheint allgegenwärtig zu sein.

Hier lesen Sie ...

- warum mobiles Arbeiten zum Stress ausarten kann;

- wie wichtig Selbstdisziplin für "Mobile Worker" ist;

- wie Push-fähige Geräte das Verhalten der Mitarbeiter verändern können;

- welche Rolle die IT bei der Einführung neuer Systeme spielt.

Jörg Liebe, Leiter Voice Integration Products bei Lufthansa Systems, will Mitarbeitern mobilen Zugang zum CRM-System verschaffen.
Jörg Liebe, Leiter Voice Integration Products bei Lufthansa Systems, will Mitarbeitern mobilen Zugang zum CRM-System verschaffen.

Während Anbieter der zugehörigen Technik die Unabhängigkeit der Arbeit vom Standort feiern, warnen Kritiker vor Informationsüberflutung inklusive Überforderung sowie der Möglichkeit der totalen Überwachung. Die Forschungsinitiative D21, ein Zusammenschluss von IT-Fachleuten aus Wirtschaft und Politik, sieht bis zum Jahr 2020 den Anteil der mobilen Tätigkeiten hierzulande gar von derzeit sieben auf rund 80 Prozent wachsen.

Auch Unternehmen erwarten für die kommenden Jahre eine schnelle Verbreitung der mobilen Jobs. In einer vom Marktforschungsinstitut Coleman-Parkes Research im Auftrag von Citrix erstellten Studie erklären sowohl Manager als auch Mitarbeiter, dass die Zugriffsmöglichkeiten auf Unternehmensinformationen, unabhängig vom Aufenthaltsort des Anwenders, zu erhöhter Produktivität und Motivation führten. Immerhin haben laut Citrix-Untersuchung in Deutschland 56 Prozent der befragten Firmen Mitarbeiter, die von zu Hause arbeiten. In der Hälfte der deutschen Unternehmen verfügen zudem mehr als 20 Prozent der Angestellten über einen Fernzugriff auf die Unternehmensdaten. Die dafür am stärksten genutzte mobile Hardware seien Laptops, gefolgt von PDAs und Smartphones - wichtigster Einsatzbereich ist laut Studie der Vertrieb.

Mobile Kommunikation heißt aber auch, dass über die Menschen in immer kürzerer Zeit eine immer größere Menge an Informationen hereinbricht und sie am liebsten rund um die Uhr erreichbar sein sollen. Oft ist der Frust inzwischen größer als die Lust. Warum sonst klagen immer mehr "mobile worker" über Stress aufgrund permanenter Verfügbarkeit?