Communication World München

Mobile first, Web second

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Zwei Tage lang diskutieren Besucher und Unternehmen auf der Münchner Communication World, wie das Thema Mobile einerseits Geschäftsprozesse verändert und anderseits neue Business-Chancen eröffnet.
Das MOC im Norden Münchens ist auch dieses Jahr Austragungsort der Communications World
Das MOC im Norden Münchens ist auch dieses Jahr Austragungsort der Communications World
Foto: Messe München

Mobile first, Web second - mit dieser provokanten These eröffnete Bitkom-Präsidiumsmitglied Catharina van Delden die zweitägige Communication World in München. Rund 2000 Besucher diskutieren an den beiden Messetagen darüber, wie die Potenziale des wachsenden Mobility von Unternehmen besser genutzt werden können. Oder aber, welche Geschäftsmodelle durch den Mobile Trend akut gefährdet sind.

Ihre Forderung, bei der IT-Strategie zuerst an Mobile zu denken und dann erst an das Web, untermauerte van Delden mit dem Beispiel, dass bereits heute jeder Dritte von unterwegs auf Unternehmensanwendungen zugreifen würde. Deshalb steht es für sie außer Frage, das die Zukunft des Business Mobile ist - allerdings mit einer Einschränkung: "Dies gilt nur, wenn man es richtig macht". Fundamente dafür sind für van Delden unter anderem Vertrauen und ein schnelles Internet. "1 Mbit/s, die für 99,2 Prozent der Bevölkerung verfügbar sind, sind nicht zukunftsweisend", so das Bitkom-Mitglied, "wir brauchen endlich Autobahnen, statt Schotterweg". Für das Bitkom-Mitglied beginnt Breitband, auch im mobile Bereich, erst ab 6 Mbit/s. Und wenn hochauflösende Videos gefordert sind, dann sind für van Delden sogar 20 Mbit/s das Mindeste.

Allerdings ist die Forderung nach adäquaten Bandbreiten im mobile Umfeld nur die halbe Miete. Ebenso wichtig sind in den Augen aller Beteiligten Vertrauen, Sicherheit und Transparenz. Gerade in Sachen Transparenz und Sicherheit sieht van Delden die Politik gefordert. Diese spielte aber, etwa in Form von Martin Bär, Leiter des Referates Cybersicherheitsstrategie im Bayerischen Staatsministerium des Innern, den Ball geschickt an die Unternehmen zurück. Nach Bärs praktischer Erfahrung sind sich viele Unternehmen den Gefahren noch nicht bewusst und bemerken überhaupt nicht, dass sie angegriffen werden. "Während des Angriffs auf Berlin im Mai 2007 wurden auch 102 Unternehmen in Bayern attackiert", erzählt Bär aus der Praxis, "nur eines bemerkte die Angriffe."

Diese Frage, beziehungsweise die Forderung nach einer Grundstrategie der Unternehmen in Sachen Mobile Security zog sich wie ein roter Faden durch den ersten Konferenztag. Ein Patentrezept gibt es dabei nicht - kann es eigentlich auch nicht geben, wenn man bedenkt, dass es mittlerweile über 300 Anbieter von Mobile-Device-Management-Lösungen gibt. Und diese, so der Konsens auf der Konferenz, bei der Entwicklung noch nicht einmal den Ton angeben, sondern eher fremdbestimmt handeln. Denn die eigentliche Geschwindigkeit in Sachen Security und MDM geben noch immer die Betriebssystemhersteller vor, da von ihren Schnittstellen abhängt, was in Sachen Security und Management möglich ist. (mb)