Ubiquisys Attocell

Mobile Femtozelle bekämpft Roaming-Kosten

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Mit der vom Femtocell-Spezialist Ubiquisys entwickelten ersten "Attocell" sollen internationale Reisende wie zuhause Mobilfunkgespräche führen und empfangen können.

Um auch im Ausland kostengünstige 3G-Telefonate zu ermöglichen, verbindet der Nutzer die Attocell via USB mit einem PC oder Notebook und versorgt so das Gerät mit Strom und Internet-Zugang. Anschließend baut die winzige Basistation ein kleines HSPA-Funknetz auf, in das sich das Handy automatisch einbucht. Wenn der Anwender anschließend einen Anruf tätigt, wird das Telefonat von der Attocell über die Festnetzverbindung und das World Wide Web zum Mobilfunknetz des Carriers durchgeleitet - von wo es wiederum in das öffentliche Telefonnetz eingespeist wird. Auf die gleiche Weise kann der Nutzer auch Anrufe empfangen.

Attocell: Femtozelle für Weltreisende
Attocell: Femtozelle für Weltreisende
Foto: Ubiquisys

Wie bei den deutlich größeren Femtocells hat Ubiquisys auch bei der Attocell dafür Sorge getragen, dass vorhandene Mobilfunknetze nicht gestört werden. So analysiert das Device bei Verbindung mit dem Rechner automatisch die IP-Adresse und die Funkumgebung und stellt so fest, in welchem Land die Attocell genutzt werden soll. Anschließend wird die Sendestärke auf das national zulässige Maß begrenzt - je nach Land kann die Reichweite des HSPA-Signals nur 5 Millimeter betragen oder einen ganzen Raum abdecken. Während des Betriebs soll das Gerät außerdem ständig den Funkraum überwachen, um Störungen mit vorhandenen Mobilfunknetzen zu vermeiden.

Wegen dieser Maßnahmen und des schwachen Funksignals geht Ubiquisys davon aus, dass die Attocell nicht unter die Kontrolle der Regulierungsbehörden fällt oder gar eine Typenfreigabe benötigt. Muss die Reichweite allerdings drastisch reduziert werden, laut Hersteller das wahrscheinlichste Szenario, können Telefonate nur via (Bluetooth-)Headset oder Lautsprecher geführt werden. Das Handy selbst muss direkt auf die Attocell gelegt werden.

Obwohl speziell für das Apple iPhone entwickelt, soll die Attocell mit jedem 3G-fähigen Mobiltelefon funktionieren - die Verwendung mit Blackberry-, Nokia- und Android-Geräten hat Ubiquisys nach eigenen Angaben bereits getestet. Der britische Hersteller ist außerdem schon in Gesprächen mit einigen Mobilfunkbetreibern, über die das Gerät vertrieben werden soll. Diese sind laut Ubiquisys stark interessiert, auch wenn der Hersteller noch keinen Abnehmer bekannt gegeben hat. Die Attocell sei die direkte Antwort auf spezifische Anforderungen von Mobilfunkbetreiber, so Firmenchef Chris Gilbert.

Fraglich ist indes, inwieweit sich die Mobilfunknutzer für ein entsprechendes Device erwärmen können, zumal die Telefonate via Attocell zwar günstiger als Roaming, aber auch nicht kostenlos sein werden. So gibt es mit Skype und verschiedenen VoIP-Diensten bereits ausreichend Möglichkeiten, über einen WLAN-Hotspot via Notebook oder Smartphone kostenlos oder zumindest günstig nach Hause zu telefonieren.