Kunden direkt an ihre gesuchten Ziele führen

Mobile Deep Links verändern das App-Ökosystem

Heiko Genzlinger ist CEO bei Trademob, einer internationale Plattform für Programmatic Mobile App Advertising. Da die Zukunft der Werbung für Genzlinger mobil und programmatisch ist, geht es dem Experten darum, Kunden bei der Entwicklung mobiler Werbestrategien und der Monetarieriung ihrer Apps zu unterstützen. Er schreibt über Trends im Mobile Advertising und kommentiert aktuelle Entwicklungen des digitalen Werbemarkts. 
Bisher waren viele Applikationen als inhaltssilos konzipiert, mit nur wenigen Einstiegspunkten und keiner Möglichkeit, auf Unterseiten zu verweisen. Das ändert sich gerade durch die zunehmende Verbreitung von Mobile Deep Links – dem mobilen Äquivalent zu Hyperlinks.

Hyperlinks - sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil des World Wide Web, wie wir es kennen. Daher ist es verwunderlich, dass es so lange gedauert hat, bis Links Einzug in die Welt der mobilen Apps gehalten haben. Diese Entwicklung ist aus vielerlei Gründen begrüßenswert: Allen voran für den Nutzer, der endlich ohne Umwege direkt zu relevanten und spezifischen Unterseiten geleitet werden kann. Zudem werden spezifische App-Inhalte damit in der Mobile-Websuche auffindbar und für Nutzer teilbar.

Auch aus Sicht des App Marketing ist dieser Schritt längst überfällig, denn erst mit Mobile Deep Links ist es möglich, Nutzer zu persönlich relevanten Inhalten zu navigieren, die zu ihren Interessen passen, oder auch auf konkrete Angebote zu verlinken, die sie sich schon einmal angesehen haben.

Mit Mobile Deep Links ist endlich die Hürde genommen, Nutzern gezielt Werbeeinblendungen für ein konkretes Angebot in der App anzuzeigen.
Mit Mobile Deep Links ist endlich die Hürde genommen, Nutzern gezielt Werbeeinblendungen für ein konkretes Angebot in der App anzuzeigen.
Foto: Michael R. Ross - shutterstock.com

Dank Google-Update: Die Entwicklung nimmt Fahrt auf

Im April hat Google mit dem Update seines Suchalgorithmus - die Einführung eines Ranking-Vorteils für mobil optimierte Inhalte - für Wirbel gesorgt. Viel wurde darüber spekuliert, welche Auswirkungen die stärkere Berücksichtigung der Mobilfähigkeit einer Seite auf das Ranking hat. In der Diskussion ist ein Aspekt häufig untergegangen, der für die App-Industrie durchaus positive Nebeneffekte hat: Künftig können Nutzer in den Suchergebnissen auch Inhalte aus mobilen Apps finden.

Dafür müssen Entwickler die Anforderungen von Google für die Indizierung ihrer App erfüllen. Das Prozedere unterscheidet sich für Android- und iOS-Apps, Voraussetzung ist jedoch immer, dass die App deep-link-fähig ist und die Option bietet, mit einem Klick in die Suchergebnisse zurückzukehren.

Nicht nur die Auffindbarkeit in der Suche, auch die Tatsache, dass App-Inhalte erstmals teilbar werden, bringt zusätzlichen Traffic. Das schafft einen weiteren Anreiz für die Verbreitung von Mobile Deep Links.

Verbesserte Nutzererfahrung im App Advertising

Der Wert von Mobile Deep Links für das App Advertising wird deutlich, wenn wir uns ansehen, wie App-Werbung ohne sie funktioniert - oder eben nicht. Will ein Anbieter einer Hotel-App Nutzer auf ein Schnäppchen für einen Wochenendtrip oder günstige Fernflüge aufmerksam machen, gibt es ohne Deep Links lediglich die Möglichkeit, sie über ein Werbebanner auf die Startseite der App zu führen.

Von dort aus muss sich der Nutzer dann selbst zum konkreten Angebot navigieren, was bestenfalls mindestens eines weiteren Klicks bedarf und bei unterschiedlichen Angeboten auf dem kleinen Bildschirm oft entsprechend unübersichtlich wird. Das ist wenig nutzerfreundlich und mit dem Risiko verbunden, dass der Nutzer den Vorgang abbricht.

Mit Mobile Deep Links ist endlich die Hürde genommen, Nutzern gezielt Werbeeinblendungen für ein konkretes Angebot in der App anzuzeigen. So kann eine Shopping-App für Mode beispielsweise im Sommer gezielt die neue Sonnenbrillenkollektion bewerben. Statt auf die Startseite der App verlinkt das Banner nun direkt auf das gezeigte Brillenmodell. Die Nutzererfahrung ist um ein Vielfaches besser und damit entsprechend auch der Erfolg der Kampagne. Mobile Anzeigen können sich sehr viel stärker nach dem Kontext der Nutzer richten und damit einen Grad an Relevanz erreichen, wie er in der klassischen Online-Werbung auf dem Desktop bereits üblich ist.

App-Anbieter müssen aufrüsten

Obwohl zahlreiche Gründe für den Einsatz von Mobile Deep Links sprechen, hinken viele Apps der Entwicklung hinterher. Im letzten Jahr nutzten einer Analyse von URX zufolge gerade einmal 22 Prozent der 200 Top-Apps Deep Links. Selbst Apps großer M-Commerce-Anbieter, die am meisten von zugeschnittener Produktwerbung profitieren, gehören zu den Nachzüglern. Spätestens mit dem Google-Update ist es nun allerhöchste Zeit, die eigene App aufzurüsten. (bw)