Gartner

Mobile Apps ebnen einem "Cognizant Computing" den Weg

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Die Marktforschungs- und Beratungsfirma Gartner erwartet, dass mobile Nutzer im Jahr 2017 bereits mehr als 100 Apps und Services mit personalisierte Datenströmen füttern werden.

Gartner prognostiziert für 2017 mehr als 268 Milliarden App-Downloads, die Umsätze von mehr als 77 Milliarden Dollar generieren (jetzt doch so viel?) und die Progrämmchen für Nutzer rund um den Globus zu einem der populärsten Computing-Tools machen sollen.

"Mobile Apps sind zum offiziellen Kanal geworden, um Inhalte und Dienste an den Verbraucher zu bringen. Von Unterhaltung bis zu Produktivität, von Selbstvermessung bis zur Heimautomatisierung - für praktisch alles, was ein vernetzter Consumer erreichen möchte, gibt es eine App", sagt der Gartner-Analyst Brian Blau. Diese Verbindung zu Consumer-Diensten bedeute, dass die Verbraucher laufend mobile Apps mit Daten befüllten. Weil die Nutzer immer mehr Apps verwendeten und mit ihnen interagierten, transformierten ihre Daten - was sie sagen, tun und wohin sie gehen - das Paradigma der App-Interaktion.

Wohnzimmer mit Nest-Thermostat - der lässt sich natürlich auch via App steuern. Und "lernt".
Wohnzimmer mit Nest-Thermostat - der lässt sich natürlich auch via App steuern. Und "lernt".
Foto: Nest

Gegenwärtig böten Apps Marken oft eine Möglichkeit, Kunden direkt zu erreichen und an sich zu binden, und deswegen würden die Daten der Nutzer vielfach als Ressource betrachtet. Das gelte insbesondere für kostenlose Apps, die im vergangenen Jahr 92 Prozent aller Downloads ausmachten. Die App-Nutzer stellten wahre Datenschätze bereit und nähmen für den Zugang zur App im Gegenzug oftmals Werbung oder Datenzugriff in Kauf.

Marken und Unternehmen, so Gartner, nutzten Apps bereits als zentrale Komponente ihre Kundenbindungsstrategie. Weil die Nutzung mobiler Geräte inklusive Wearables in weitere Bereiche des Lebens und der Geschäftswelt vordringe, steige die Bedeutung mobiler Apps zusehends.

"In den kommenden drei bis vier Jahren werden Apps nicht länger einfach auf Smartphones und Tablets beschränkt sein, sondern viel mehr Devices von Haushaltsgeräten über Autos und Wearables betreffen", sagt Analyst Blau. Gartner gehe davon aus, dass 2017 bereits die Hälfte aller App-Interaktionen über Wearables laufen werde - unter anderem deswegen, weil diesen tragbaren Geräten oft ein echtes User Interface fehle und dieses in Apps auf anderen mobilen Geräten verlagert werde.

Letztlich würden die mobilen Apps einem "bewussten Computing" ("Cognizant Computing") den Weg bereiten, mutmaßt Gartner. "Cognizant Computing handelt an Stelle der Nutzer intelligent, basierend auf ihren historischen Daten, Vorlieben und Regeln", erklärt die Analystin Sandy Shen. "Es kann die Bedürfnisse des Users vorhersehen und Aufgaben erledigen, ohne dass Nutzer überhaupt eine Aktion anstoßen oder mit einem Dienst interagieren müssen." Das könne insbesondere im vernetzten Zuhause schon relativ sinnvoll und gut funktionieren.

Große Service Provider wie Google (das ja gerade die Übernahme von Nest angekündigt hat), Amazon oder Facebook dürften in diesen Markt mit einem Vorsprung starten, vermuten die Auguren. Zum einen säßen sie aufgrund ihrer bereits vorhandenen Kundenbeziehungen bereits auf Bergen von Daten, zum anderen vertrauten die Nutzer ihnen bereits beim Umgang mit ihren Daten. Smart-Home-Neueinsteiger hingegen müssten sich ein solches Verhältnis erst mühsam neu aufbauen.