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Mobilcom: Insolvenzgefahr vorübergehend abgewendet

16.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach einer sechsstündigen Krisensitzung am Sonntag haben der Bund und das Land Schleswig-Holstein dem insolvenzbedrohten Mobilfunkanbieter Mobilcom Kredite in Höhe von insgesamt 400 Millionen Euro zugesagt. Bereits am heutigen Montag sollen 50 Millionen Euro fließen, um das Unternehmen mit gut 5500 Mitarbeiter vor der Pleite zu bewahren. Längerfristig planen die Büdelsdorfer, mit dem Geld das Kerngeschäft zu restrukturieren und den Aufbau des hiesigen UMTS-Netzes fortzuführen.

Der Fortbestand des Konzerns steht auf Messers Schneide, nachdem der mit 28,5 Prozent beteiligte Kooperationspartner France Télécom das Kapitel Mobilcom in der Nacht zum Freitag endgültig ad acta gelegt hatte. Dabei beschlossen die Franzosen, die Schulden von insgesamt sechs Milliarden Euro zu übernehmen, aber das Unternehmen nicht mehr weiter zu finanzieren (Computerwoche online berichtete).

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller erklärte, mit der Finanzspritze sei nun der Weg für eine einvernehmliche Lösung mit France Télécom frei. Der parteilose Politiker betonte jedoch, dass die Franzosen weiterhin vertraglich an ihre Finanzierungsverpflichtungen gebunden seien. Obwohl die Norddeutschen sich gegenüber France Télécom durchaus im Recht sehen, kündigte Mobilcom-Chef Thorsten Grenz an, zunächst keine juristischen Schritte einzuleiten. Stattdessen werde versucht, die Verhandlungen fortzuführen.

Auch der mit rund 50 Prozent an Mobilcom-beteiligte Unternehmensgründer und Ex-Vorstandsvorsitzende Gerhard Schmid will sein Scherflein zu der Sanierung beitragen. Er kündigte an, seine Aktien an einen Treuhänder zu übertragen, der auch sein Stimmrecht ausüben werde. Damit soll sein persönlicher Zwist mit France Télécom in den Hintergrund treten und die geplante außerordentliche Hauptversammlung ausfallen. (mb)