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Mobilcom-Gründer Schmid räumt das Feld

21.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid geht nun offenbar selbst von seiner anstehenden Absetzung als Vorstandsvorsitzender aus. Ein Firmensprecher des norddeutschen Mobilfunkanbieters bestätigte, dass Schmid bereits seine persönlichen Dinge geordnet und sein Büro in der Büdelsdorfer Firmenzentrale aufgeräumt hat. Am heutigen Freitag stimmt der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Ratssitzung zum zweiten Mal über die Absetzung des Vorstandsvorsitzenden und Firmengründers Gerhard Schmid ab. Vor vier Wochen verpasste der Großaktionär France Télécom knapp die damals erforderliche Zweidrittel-Mehrheit (Computerwoche online berichtete). Bei der zweiten Abstimmung genügt eine einfache Mehrheit.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur "vwd" wurde der Beginn der außerordentlichen Sitzung kurzfristig von 10 Uhr auf 14 Uhr verlegt und soll bis in die Abendstunden andauern.

Die Absetzung Schmids gilt als sicher, nachdem France Télécom diese als Bedingung für die Umschuldung eines 4,7 Milliarden Euro hohen Kredits gemacht hatte (Computerwoche online berichtete). Werden aber eine Reihe von Bedingungen nicht erfüllt, will der französische TK-Konzern seine Unterschrift unter dem Papier verweigern. Hierzu gehört neben dem Rücktritt von Schmid, dass dieser seine rund 50-prozentige Beteiligung an Mobilcom verkauft.

France Télécom hatte dem Mobilcom-Gründer und seiner Ehefrau Sybille Sindram-Schmid hierzu bereits ein Übernahmeangebot gemacht. Bislang kamen die beiden Parteien aber wegen stark unterschiedlichen Preisvorstellungen nicht ins Geschäft: Die Franzosen hatten Schmid zehn Euro je Aktie geboten, der Mobilcom-Gründer wiederum wollte ursprünglich 22 Euro je Anteil.

Presseberichten zufolge soll Schmid aber mittlerweile auch bei Preisen zwischen 16 und 18 Euro zu einem Verkauf bereit sein. Laut Übernahmegesetz muss France Télécom dann auch den freien Aktionären ein Angebot unterbreiten. Die Anleger können mit einem Kaufpreis von 15 bis 16 Euro rechnen. Möglich ist auch die Abfindung der Aktionäre mit Aktien der Mobilfunktochter Orange. (mb)