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Mobilcom: Gerhard Schmid pokert weiter

07.11.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid ist offenbar nach wie vor nicht bereit, den von der Bundesregierung vorgeschlagenen Treuhändervertrag für die Verwaltung seiner Mobilcom-Aktien zu unterzeichnen. Stattdessen habe Schmid nun knapp ein Drittel seiner Anteilscheine auf seine Ehefrau Sybille Schmid-Sindram übertragen, berichtet die "Financial Times Deutschland". Der Meldung zufolge hält Schmids Gattin damit elf Prozent der Mobilcom-Aktien, weitere acht Prozent kontrolliert sie über ihre Firma Millennium GmbH.

Schmid hat den FTD-Bericht über die Aktienübertragung an seine Frau inzwischen dementiert. Die Wirtschaftszeitung besteht jedoch auf ihrer Darstellung und beruft sich auf verschiedene Quellen, darunter einen Sprecher Schmids. Dieser wiederum droht der FTD nun mit rechtlichen Schritten.

Der Mobilcom-Gründer weigert sich standhaft, sein Aktienpaket dem von der Bundesregierung als Treuhänder vorgeschlagenen Rechtsanwalt Reinhard von Dalwigk anzuvertrauen. Der Bund lehnte dagegen den von Schmid vorgeschlagenen Ex-Debitel-Chef Joachim Dreyer ab. Auch die von der Regierung als Kompromiss angetragene Tandemlösung (Computerwoche online berichtete) fand offenbar bei Schmid keine Zustimmung. In anderen Punkten des Vertrags sind sich die Parteien aber inzwischen einig geworden.

Durch die Weigerung, sein Aktienpaket einem unabhängigen Dritten anzuvertrauen, blockiert der ehemalige Vorstandsvorsitzende einen dringend benötigten Überbrückungskredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und setzt damit den Fortbestand des Mobilfunkanbieters aufs Spiel. Presseberichten zufolge ist die erste Finanzspritze über 50 Millionen Euro fast aufgebraucht. Gleichzeitig gilt der Vertrag als Voraussetzung dafür, dass der ehemalige Kooperationspartner France Télécom rund sieben Milliarden Euro Schulden von Mobilcom übernimmt. Damit wäre eine Insolvenz des Büdelsdorfer Mobilfunkanbieters vorerst abgewendet. (mb)