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Mobilcom erwägt Freenet-Verkauf

27.05.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Um ein Sanierungsdarlehen zu tilgen, denkt das angeschlagene Mobilfunkdienstleister Mobilcom nun an, seine Festnetztochter Freenet.de zu verkaufen. Auf der Hauptversammlung am gestrigen Montag sagte der Vorstandsvorsitzende Thorsten Grenz, sein Unternehmen sei auf der Ebene der Vorprüfungen angekommen. Mobilcom stehe aber nicht unter dem Druck der Banken und gehe daher bei der geplanten Veräußerung ohne Hast vor. Der Firmenchef ist zuversichtlich, dass von dem erwarteten Verkaufserlös auch nach der Tilgung des Darlehens noch Geld übrig bleiben wird.

Das Büdelsdorfer Unternehmen hatte seinen 76-prozentigen Anteil an dem Internet-Provider bei den Finanzinstituten verpfändet, um nach der Aufgabe des gemeinsam mit Kooperationspartner France Télécom geplanten UMTS-Geschäfts einen Sanierungskredit über 162 Millionen Euro zu erhalten. Anschließend wurden jedoch nur rund 140 Millionen Euro davon für den Personalabbau und die Restrukturierung benötigt.

Auch sonst gehe es mit Mobilcom aufwärts, so Grenz, das Sanierungsprogramm laufe planmäßig, die Zielvorgaben bei Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen seien im ersten Quartal übererfüllt worden. Selbst die rückläufige Kundenzahl und den sinkenden Marktanteil verteidigte der Vorstandschef: Sein Unternehmen habe sich von verlustbringenden Handy-Kunden getrennt, wegen des straffen Budgets gebe es gegenwärtig ohnehin keine Alternative. Das kommende zweite Halbjahr bezeichnete Grenz als neue Bewährungsprobe, er bekräftigte jedoch seine Prognose, im Gesamtjahr ein ausgeglichenes operatives Ergebnis zu schreiben.

Sein Vorgänger, der Firmengründer Gerhard Schmid ging indes mit der neuen Strategie von Mobilcom, dem Wiederverkauf von Mobilfunkverträgen anderer Anbieter, streng ins Gericht. Das Geschäft als Service-Provider sei ein Auslaufmodell, so Schmid, die Netzbetreiber würden es niemals zulassen, dass Reseller hohe Gewinne erzielen. Der Großaktionär forderte daher, anstelle eines Freenet-Verkaufs solle sich Mobilcom von seinem neuen Kerngeschäft trennen. Er wertete es außerdem als Fehler, dass die neue Unternehmensführung auf das angebliche Interesse der indischen Hinduja-Gruppe an UMTS-Lizenz und -Netz nicht ausreichend reagiert hätte. Anstatt ein fünfzeiliges Fax zu schicken, wäre er sofort in den Flieger gestiegen, erklärte der Großaktionär. Die Sanierungserfolge bezeichnete Schmid außerdem als zu gering für das große Aufhebens darüber. (mb)