Web

 

Mobilcom-Entlassungen: Erst die Wahl, dann die Qual

19.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Vorstand und Betriebsrat des angeschlagenen Mobilfunkunternehmens Mobilcom werden erst Ende des Monats über die geplante Sanierung des Unternehmens reden. Das ursprünglich für den heutigen Donnerstag anberaumte Treffen soll laut Presseberichten am kommenden Freitag stattfinden. Der Umfang des Stellenabbaus wird damit erst nach der Bundestagswahl bekannt. Einen Zusammenhang wies Firmensprecher Matthias Quaritsch allerdings zurück. Grund für die Vertagung seien vielmehr Lücken im Sanierungskonzept, so Quaritsch. Bis zu dem Treffen müsse das Unternehmen die Rahmenbedingungen klären, erläuterte der Sprecher. Dazu seien weitere Abstimmungen zwischen allen Beteiligten bei Mobilcom, den Vertretern der Landes- und der Bundesregierung sowie der Europäischen Kommission nötig.

Nachdem der Kooperationspartner und Großaktionär France Télécom seine Zahlungen eingestellt hatte, ist der norddeutsche Mobilfunkanbieter ein Pleitekandidat. Zwar bewahren Übergangskredite über bis zu 400 Millionen Euro vom Bund und dem Land Schleswig-Holstein Mobilcom vorerst vor der drohenden Insolvenz. Um wieder auf Erfolgskurs zu kommen, sollen jedoch bis zu 2000 der insgesamt rund 5500 Stellen abgebaut werden.

Berechnungen von Vorstandschef Thorsten Grenz zufolge müssten im Kerngeschäft, der Vermarktung von Mobilfunkverträgen anderer Betreiber, 130 Millionen Euro jährlich eingespart werden, um wieder Profite zu erzielen. Dazu sollen bis zu 800 Arbeitsplätze gestrichen werden. Außerdem erwägen die Büdelsdorfer, das rentable Festnetzgeschäft mit 500 Mitarbeitern in die Internet-Tochter Freenet einzubringen. Unklar ist derzeit noch die Strategie für die UMTS-Sparte mit rund 1100 Beschäftigten. Ohne den früheren Investitionspartner France Télécom ist Mobilcom voraussichtlich nicht in der Lage, den geplanten Aufbau eines 3G-Netzes zu stemmen. Für die Fertigstellung benötigt das Unternehmen aber noch rund zwei Milliarden Euro. Die Büdelsdorfer hoffen daher in erster Linie auf einen Erlass von sechs Milliarden Euro Schulden bei den Franzosen. Alternative wäre die Insolvenz: Mobilcom wäre von seinen Schulden befreit und

könnte die UMTS-Lizenz Ende nächsten Jahres an die Regulierungsbehörde zurückgeben und sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. (mb)