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Mobilcom darf weiter hoffen

14.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - France Télécom ist offenbar bereit, Mobilcom einen Teil der am heutigen Montag fälligen Verbindlichkeiten über 4,7 Milliarden Euro zu erlassen. Der selbst mit rund 70 Milliarden Euro verschuldete französische TK-Konzern plant zu diesem Zweck, seine 28,5-prozentige Beteiligung an dem norddeutschen Mobilfunkanbieter den kreditgebenden Banken zu verkaufen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Mobilcom-Kreise. Falls die Gläubigerbanken einwilligen, würden sie die Anteile zu einem späteren Zeitpunkt an die Börse bringen.

Laut Zeitungsbericht hat sich France Télécom in den Verträgen mit den Banken verpflichtet, für die Schulden der Büdelsdorfer aufzukommen und weitere Gelder für den Aufbau eines deutschen UMTS-Netzes zur Verfügung zu stellen. Im Gespräch sei ein dreistelliger Millionenbetrag, schreibt die Wirtschaftszeitung unter Verweis auf Bankenkreise. Die Finanzspritze soll weitere Kapitalhilfen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und des Landes Schleswig-Holstein unnötig machen.

Bereits am Freitag berichtete das Handelsblatt, dass die Banken die Mobilcom-Darlehen über 4,7 Milliarden Euro bis zu einer endgültigen Vereinbarung mit France Télécom stunden werden. Die entsprechenden Verträge seien jedoch noch nicht paraphiert worden, will die Finanzzeitung aus dem Umfeld des Mobilcom-Aufsichtsrats Dieter Vogel erfahren haben. Der Ex-Thyssen-Chef führt die Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen.

Das plötzliche Einlenken der Franzosen hat Mobilcom offenbar dem neuen France-Télécom-Chef Thierry Breton zu verdanken: Anders als sein geschasster Vorgänger Michel Bon scheint dieser das Risiko von Schadensersatzklagen aus den USA deutlich höher einschätzen. Der in den USA gelistete TK-Konzern hatte im November vergangenen Jahres in einem Börsenprospekt mitgeteilt, dass er als Kooperationspartner für jeglichen finanziellen Engpass bei Mobilcom gerade stehe. Bei einer Insolvenz der Büdelsdorfer könnten France-Télécom-Aktionäre daher vor einem US-Gericht auf eine Erfüllung dieser Angaben klagen und eine deutlich höhere Entschädigung als in Deutschland erhalten.

Ursprünglich wollten die Franzosen als Kooperationspartner bis zu zehn Milliarden Euro in den Aufbau eines deutschen UMTS-Netzes stecken. Nach Streitereien mit Ex-Mobilcom-Chef Gerhard Schmid über die Höhe der geplanten Investitionen hatte der TK-Konzern den Büdelsdorfern Mitte September den Geldhahn entgültig abgedreht und die Neue-Markt-Firma damit in arge Finanznöte gebracht. Mobilcom wird seitdem nur durch eine staatliche Hilfe am Leben erhalten. Um das Unternehmen zu sanieren, plant Vorstandsvorsitzender Thorsten Grenz, 1850 der 4200 Vollzeitstellen zu streichen und das UMTS-Geschäft auf Eis zu legen. (mb)