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mobilcom-Chef: Keine Entscheidung über Verwendung stiller Reserven

23.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Mobilfunkanbieter mobilcom hat bislang keine Entscheidung über eine mögliche Sonderdividende getroffen. "Lassen Sie mich klarstellen, dass mit der Aufdeckung stiller Reserven im Zuge der Verschmelzung keinerlei Vorentscheidung darüber getroffen ist, wie ein entsprechender Bilanzgewinn verwendet werden soll", sagte Vorstandschef Thorsten Grenz am Dienstag auf der Hauptversammlung in Hamburg. Durch die Umstellung der Bilanz rechnet er mit einem Bilanzgewinn in Höhe von 800 Millionen bis eine Milliarde Euro. Auf dem außerordentlichen Aktionärstreffen sollen die mobilcom-Anteilseigner der Verschmelzung von mobilcom und seiner Tochter freenet zustimmen. Am Donnerstag folgt die Versammlung der Aktionäre des Internet-Anbieters freenet. Nach Angaben aus Branchenkreisen hat sich mobilcom-Großaktionär Texas Pacific Group (TPG) für eine Sonderdividende ausgesprochen.

Teile der Belegschaft und Gewerkschaften befürchten allerdings, dass die Ausschüttung auch über Kredite finanziert und damit die Substanz des Unternehmens geschädigt werden könnte. Der für die TPG-Mobilfunkbeteiligungen zuständige Manager Andrew Dechet hatte diese als unbegründet zurückgewiesen.

Eine Hürde nahmen die Unternehmen bereits vor den Hauptversammlungen. Das Bundeskartellamt stimmte am Dienstag der Fusion zu. Es gebe keine Bedenken gegen das am 27. Juli angemeldete Vorhaben, teilte die Behörde in Bonn mit.

Grenz, der Ende August sein Amt an freenet-Chef Eckhard Spoerr abgibt, warb in seiner Rede erneut für den Zusammenschluss. Damit steige mobilcom-freenet zu einem Telekom-Komplettanbieter auf und positioniere sich so für künftiges Wachstum. "Außerdem wird die Verrechnung der vorhandenen Verlustvorträge mit Gewinnen des Festnetz-Geschäfts das Nettoergebnis deutlich erhöhen." mobilcom verfügt nach dem Rückzug aus dem UMTS-Geschäft über Verlustvorträge in Milliardenhöhe. Der scheidende Vorstandsvorsitzende erwartet durch den Zusammenschluss positive Impulse für den Aktienkurs: "Ich teile die Auffassung zahlreicher Marktbeobachter, die für mobilcom-freenet weiteres, erhebliches Kurssteigerungspotenzial sehen", sagte Grenz. Die Aktie von mobilcom notierte zuletzt unverändert bei 20,11 Euro. Der designierte mobilcom-Chef Spoerr schließt laut früheren Angaben eine Sonderdividende nicht aus - allerdings will er strategischen Zukäufen den Vorzug geben. Interesse hatte Spoerr unter anderem an Deutschlands zweitgrößten Telekomanbieter Arcor geäußert. Nach Angaben aus Branchenkreisen hat der freenet-Vorstandsvorsitzende bereits mit der Arcor-Mutter Vodafone über einen Erwerb gesprochen, ohne allerdings ein Angebot abzugeben. (dpa/tc)