Wegen rechtlicher Risiken

Mittelstand verzichtet auf Web 2.0

Dr. Andreas Schaffry ist freiberuflicher IT-Fachjournalist und von 2006 bis 2015 für die CIO.de-Redaktion tätig. Die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Berichterstattung liegen in den Bereichen ERP, Business Intelligence, CRM und SCM mit Schwerpunkt auf SAP und in der Darstellung aktueller IT-Trends wie SaaS, Cloud Computing oder Enterprise Mobility. Er schreibt insbesondere über die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen IT und Business und die damit verbundenen Transformationsprozesse in Unternehmen.
Anzeige  Derzeit nutzen nur wenige kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland Web-2.0-basierte Anwendungen. Laut einer Studie des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr fürchten Mittelständler besonders rechtliche Risiken sowie Missbrauch durch Nutzer.
Handwerk und kleiner Mittelstand haben Vorbehalte gegenüber Web-2.0-Diensten. Sie fürchten vor allem rechtliche Risiken sowie den Datenmissbrauch durch externe Nutzer. Quelle: Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr, 2009
Handwerk und kleiner Mittelstand haben Vorbehalte gegenüber Web-2.0-Diensten. Sie fürchten vor allem rechtliche Risiken sowie den Datenmissbrauch durch externe Nutzer. Quelle: Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr, 2009

Mehr als vier Fünftel der Handwerksbetriebe sowie kleinen und mittelständischen Firmen in Deutschland kennen den Begriff Web 2.0. Nur 13,5 Prozent gaben an, dass ihnen Dienste und Anwendungen, die auf Web 2.0 basieren, unbekannt sind. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Studie "Elektronischer Geschäftsverkehr im Mittelstand und Handwerk" des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG).

Allerdings nutzen erst wenige kleine und mittlere Firmen Web-2.0-Anwendungen auf ihren Internet-Seiten, etwa zur Kundenbindung. Am häufigsten setzen sie News-Feeds ein. Das gaben 17 Prozent der Befragten an. Tag-Wolken und Soziale Netzwerke beziehungsweise Communities nutzen jeweils rund 14 Prozent. Anwendungen wie interaktive Bewertungs-Systeme, Blogs, Foren und Video-Portale werden derzeit nur in Ausnahmefällen verwendet.

Vorsichtiger Einstieg mit News-Feeds und Blogs

Laut Studie wird sich an dieser Reihenfolge so schnell nichts ändern. Mittelständler, die künftig den Einsatz von Web-2.0-Anwendungen planen, wollen primär News-Feeds sowie Blogs in ihren Internetauftritt integrieren. Das gaben jeweils rund 26 Prozent der befragten Firmen an. Durch die Einbindung dieser Web-2.0-Anwendungen wollen die Betriebe vor allem mehr Informationen über Kunden gewinnen sowie den eigenen Bekanntheitsgrad erhöhen.

Laut Studie sehen viele der Befragten im Einsatz vieler Web-2.0-Dienste keinen geschäftlichen Nutzen. Mehr als drei Viertel wollen aus diesem Grund keine Podcasts einbinden und jeweils 71 Prozent haben Vorbehalte gegen interaktive Bewertungs-Systeme und Online-Foren.

Doch es gibt noch andere Gründe, warum kleine und mittelständische Firmen keine Web-2.0-Anwendungen einsetzen. Dazu gehören in erster Linie rechtliche Risiken sowie die Gefahr des Missbrauchs durch externe Nutzer. Zu dieser skeptischen Haltung tragen insbesondere bekannt gewordene Fälle von Datenmissbrauch sowie gezielte Fehlinformationen in Foren und Blogs bei.

Im Rahmen der Studie befragte das NEG rund 2.660 Handwerksbetriebe sowie kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland. Die Untersuchung wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert.