Fachkräftemangel

Mittelstand verschläft demografischen Wandel

Peter Gruber ist Mitglied des Teams Management der Digitalredaktion. Er arbeitet hauptsächlich für die Portale Computerwoche und CIO.
Der deutsche Mittelstand ist auf den demografischen Wandel nicht ausreichend vorbereitet. Dies zeigt die von der Vermögensverwaltung Schroders in Auftrag gegebene Studie "Demografischer Wandel und dessen Auswirkungen auf mittelständische Unternehmen".

Befragt wurden von dem Vermögensverwalter Schroders 53 kleine und mittelständische Firmen, die zu "Hidden Champions des 21. Jahrhunderts" gehören. Vor allem die Frage, durch welche aktuell existierenden Maßnahmen die Teilnehmer dem demografischen Wandel entgegenwirken oder seine negativen Folgen abmildern wollen, legt Erschreckendes offen: Rund die Hälfte der befragten Unternehmen (49 Prozent) hat nur weiche Maßnahmen ergriffen und fast ein Drittel hat sich bezüglich der älter werdenden Arbeitnehmerschaft noch gar keine Gedanken gemacht.

Es droht eine Vorruhestandswelle

Der Trend zur Frühverrentung wird jedenfalls schwer aufzuhalten sein. Schon heute ist die Diskrepanz zwischen dem realem und dem gewünschten Renteneintrittsalter groß. Eine Forsa-Umfrage zeigte, dass die Bundesbürger 2007 im Schnitt mit 63 Jahren in Rente gingen, sich durchschnittlich aber ein Renteneintrittsalter von 61 Jahren wünschten. Die im Rahmen der Schroders-Studie befragten Unternehmen gaben zu knapp 80 Prozent ein durchschnittliches Renteneintrittsalter ihrer Belegschaft von 60 bis 63 Jahren an. In Anbetracht eines immer höheren gesetzlichen Renteneintrittsalters wird die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit größer, es droht eine Vorruhestandswelle.

Hohes Durchschnittsalter in deutschen Firmen

Schon heute ist das Durchschnittsalter in vielen Firmen relativ hoch, bei 67 Prozent der befragten Unternehmen liegt es zwischen 38 und 44 Jahren. Der bevorstehende Bevölkerungsrückgang dürfte diesen Trend verstärken und zu einer Reduzierung des Arbeitskräftepotenzials führen. Dies wird vor allem bei Fachkräften zur Folge haben, dass ein Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte entbrennt.

Als Nachteile des demographischen Wandels identifizieren die Befragten folgende Punkte:

  • Fachkräftemangel: 86,8%

  • Mangel an Auszubildenden: 62,3 Prozent,

  • Know-how-Verlust: 37,7 Prozent,

  • Erhöhter Krankenstand: 26,4 Prozent,

  • Nachlassende Arbeitsfähigkeit älterer Mitarbeiter: 20,8 Prozent sowie

  • Arbeitsverdichtung: 17,0 Prozent

Immerhin sehen die Teilnehmer auch Vorteile des demografischen Wandels:

  • 52,8 Prozent bezeichnen den systematischen Wissenstransfer als Vorteil,

  • 45,3 Prozent Erfahrungswissen,

  • 32,7 Prozent eine betriebliche Wertschätzungskultur,

  • 20,8 Prozent klassische Tugenden,

  • 18,9 Prozent Netzwerke und

  • 13,5 Prozent Führungskompetenz.

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