Recruiting 2.0

Mitarbeitersuche via Facebook

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Mittlerweile begeistern sich auch Personalabteilungen für die Social-Media Plattform. Viele Firmen versuchen dort mit potenziellen Bewerbern ins Gespräch zu kommen.
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Was die Queen kann, können wir auch. Nach diesem Motto richten immer mehr Firmen Karriereseiten auf der Social-Media-Plattform Facebook ein. Dort buhlen sie mehr oder weniger erfolgreich um die Gunst von IT-Fachkräften. Viele Unternehmen nutzen die Chance, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren. Ob sich dieses Engagement auszahlt, darüber liegen noch keine schlüssigen Zahlen vor; ein lockerer Dialog auf Facebook führt nicht unbedingt zum Arbeitsvertrag. Außerdem gibt es immer noch zahlreiche Firmen, die Facebook nicht als Recruitment-Kanal nutzen möchten. In vielen Personalabteilungen überwiegt gegenüber sozialen Medien aber inzwischen die Experimentierfreude. Bewerbern bieten sich dabei ungewöhnliche Einblicke in den abgeschotteten Kosmos der Firmen.

Versuchsfeld Facebook

"Facebook ist für Firmen ein weites Versuchsfeld. Jede möchte dabei sein, doch keiner weiß wirklich, was es bringt", sagt Bernhard Rauscher von Recruitwerk. Das Münchner Unternehmen berät Firmen zu Recruitment-Strategien in sozialen Netzwerken. Die niedrigen Hürden und geringen Kosten erleichtern vielen Arbeitgebern die Entscheidung, einen Versuchsballon zu starten. "Facebook erhebt keine Gebühr; wir haben uns die Site von unserer Agentur gestalten lassen, das hat sich im Rahmen gehalten", sagt Stefanie Hirte, Leiterin Personal-Marketing beim Versandhändler Otto in Hamburg. Noch kann jeder, ob Privatperson oder Unternehmen, unentgeltlich eine eigene Seite in dem sozialen Netzwerk anlegen und später ebenfalls kostenlos Videos und Bilder einstellen. Allerdings geht dieses Material in den Besitz von Facebook über. Kampagnen, in denen eine bestimmte Zielgruppe, etwa potenzielle Auszubildende, in einer Region angesprochen werden sollen, lassen sich über das Netzwerk ganz einfach steuern, da gerade jüngere Nutzer freigiebig mit ihren persönlichen Daten umgehen. Gezahlt wird wie bei Google per Klick.

Otto ging Ende November 2009 mit einer eigenen Karriereseite zu Facebook. Bereits im Frühjahr vergangenen Jahres stand das Thema Social Media auf der Agenda, einen Twitter-Kanal installierten die Hamburger im April des gleichen Jahres. "Wir wollten zu den ersten gehören, die sich bei Facebook engagieren", sagt Stefanie Hirte. "E-Commerce ist ein großes und wichtiges Geschäftsfeld für uns, und hier suchen wir viele neue Mitarbeiter."

Deshalb sei es nur folgerichtig gewesen, auch die künftigen Bewerber über diesen Kanal anzusprechen, zumal die Hamburger auch viele IT-Spezialisten suchen. Jobangebote finden sich zwar auch auf der Facebook-Seite, doch für die Otto-Managerin zählen in erster Linie Personal-Marketing und Image-Bildung zu den Argumenten für das Engagement. Bevor die Seiten online liefen, gab es ausführliche Beratungen im Haus. "Wir haben uns Trends im Netz angesehen und die Risiken analysiert, die sie bringen könnten", erklärt Hirte.