Talent-Management einmal anders

Mitarbeiter wählen ihren Chef selbst

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Unternehmen, in denen Mitarbeiter mitbestimmen können, gehört die Zukunft, meint Haufe-Umantis-Geschäftsführer Marc Stoffel, der selbst von der eigenen Belegschaft gewählt wurde.

Das Schweizer Unternehmen Umantis, das seit einem Jahr zur Haufe-Gruppe gehört, wagte erstmalig ein Experiment und ließ den neuen Geschäftsführer Marc Stoffel von den eigenen Mitarbeitern wählen. So ganz basisdemokratisch war das Verfahren dann doch nicht, aber es zeigt die Richtung, in die das Unternehmen geht und in die es seine Kunden mitnimmt: Mitarbeitern volles Vertrauen entgegenzubringen und sie zu involvieren, wie es Stoffel ausdrückt.

Die Mitarbeiter von Haufe Umantis wählen zukünftig ihr Topmanagement selbst, aus ihren eigenen Reihen. Ein interessantes Modell des Talent-Managements.
Die Mitarbeiter von Haufe Umantis wählen zukünftig ihr Topmanagement selbst, aus ihren eigenen Reihen. Ein interessantes Modell des Talent-Managements.
Foto: Elnur-Shutterstock.com

Firmengründer Hermann Arnold hatte Stoffel als seinen Nachfolger vorgeschlagen und die Beschäftigten über seine Wahl abstimmen lassen. Nach eingehender Beratung und offener Frage- und Antwort-Session stimmten 95 Prozent der Beschäftigten für Stoffel. Sie hatten mehrere Auswahlmöglichkeiten: Ja sicher, Ja mit Vorbehalt, Brauche mehr Zeit, Nein. Arnold wäre im Amt geblieben, wenn Stoffel nicht durch die Mehrheit gewählt worden wäre. Im Falle einer Ablehnung hätten neue Kandidaten vorgestellt werden müssen. Die nächsten Wahlen sind schon programmiert: Im Herbst werden sich die Führungskräfte dem Votum der Mitarbeiter stellen, und zusätzlich dürfen sich andere Kollegen um Toppositionen bewerben. Ebenso auf der Agenda steht ein verändertes Gehaltsmodell, das eine starke Mitarbeiterbeteiligung vorsieht. Dabei sollen sich die Kollegen gegenseitig bewerten.

Was schon seit geraumer Zeit gut funktioniert, ist das Einstellen von Bewerbern durch die Mitarbeiter. Diese führen neben der Personalabteilung die Gespräche mit den Kandidaten und entscheiden, wer genommen wird.

Damit die Mitarbeiter ihre Entscheidungen fundiert treffen können, müssen sie Strategie und Ziele bestens kennen. Kein Problem, sagt Stoffel. Einmal im Jahr zieht sich die Belegschaft für zwei Tage zurück und diskutiert mit dem Management die Vorgaben für das neue Geschäftsjahr. So weiß laut Stoffel jeder, woran er ist. Damit nicht genug: Jeder Beschäftigte definiert seine persönlichen Ziele selbst.

Marc Stoffel, Haufe Umantis: "Mitarbeiter wissen früher und besser als das Topmanagement, was die Kunden benötigen."
Marc Stoffel, Haufe Umantis: "Mitarbeiter wissen früher und besser als das Topmanagement, was die Kunden benötigen."
Foto: Privat

Der neue Haufe-Umantis-Geschäftsführer ist überzeugt, dass dieses Modell des starken Einbindens aller Mitarbeiter der richtige Weg der Unternehmensführung ist. "Wer macht Projekte erfolgreich?", fragt Stoffel. Es seien die Mitarbeiter mit dem direkten Kontakt zu den Kunden, den Konkurrenten und dem Markt, die "früher und besser als das Topmanagement wissen, was die Firma eigentlich machen müsste".

Es geht nicht um Automatisierung

Obwohl Umantis mittlerweile einer der größten europäischen Anbieter von Talent-Management-Software ist, betont Stoffel, dass es nicht "auf die meisten und ausgeklügeltsten Funktionen" in der Technik ankomme, es gehe auch nicht um "Automatisierung, Standardisierung und Ausrichtung der Mitarbeiterschaft an möglichst objektiven Leistungsindikatoren". Man könne mit 20 Prozent der Funktionen 80 Prozent des Nutzens erreichen. Und wie überzeugt Stoffel Old-School-Personaler von seinem Ansatz? Wichtig sei, im Kleinen zu beginnen, in Abteilungen, die Neuem gegenüber aufgeschlossen sind, etwa den Entwicklern und Forschern. Seine Zielgruppe seien die Mitarbeiter, die die Chance bekommen müssten, ihre Talente zur vollen Entfaltung zu bringen.