US-Finanzchef streicht die Segel

Mitarbeiter-Aktienprogramm belastet SAPs Bilanz

21.01.2000
MÜNCHEN (CW) - SAP-Mitarbeiter, die am Beteiligungsmodell "Star" teilnehmen, können sich freuen: Dank gestiegener Aktienkurse wächst die durchschnittliche Ausschüttung für 1999 auf 56250 Euro. Damit kostet Star den Konzern rund 500 Millionen Euro. Zudem meldet das Unternehmen den Rücktritt seines US-Finanzchefs.

Wie man es macht, macht man es falsch. Dieser Ausspruch trifft derzeit auf die SAP AG zu. So hat das Unternehmen seit einiger Zeit, speziell in den USA, mit einem Mitarbeiterschwund zu kämpfen. Jüngster Abgang ist John Milana, bisher Chief Financial Officer bei SAP America. Ein Großteil der ehemaligen SAP-Manager ist mittlerweile bei Internet-Firmen, sogenannten Dotcoms, oder Mitbewerbern wie Oracle oder Siebel an Bord. Sie locken SAP-Angestellte mit einer Erfolgsbeteiligung in Form von Aktienoptionen.

Um Abwanderungen vorzubeugen, legte SAP bereits im Frühjahr 1998 mit Star ebenfalls ein Mitarbeiter-Beteiligungsmodell auf. In der ersten Variante hatte Star eine Gewinnbeschränkung nach oben, und wegen der schlechten Kursentwicklung erhielten die berechtigten Mitarbeiter im ersten Jahr keine Ausschüttung. Ganz anders im abgelaufenen Geschäftsjahr 1999: Hier ergibt sich bei einem derzeitigen Kurswert von rund 700 Euro eine Prämie je Star-Anteil von etwa 360 Euro. Bei 1,5 Millionen ausgegebenen Stars an rund 9600 Mitarbeiter resultieren daraus nun Kosten von rund 540 Millionen Euro, die das Ergebnis der Softwareschmiede negativ beeinflussen.

Bei SAP ist man über die Aufwendungen, die Star verursacht, nicht beunruhigt. Man werde die Kosten für Star auf die gesamte Laufzeit des Programms von 26 Monaten (Ende: Juni 2001) verteilen, teilte ein Sprecher mit. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 18. Januar, auf der über das neue Vorhaben "Long Term Incentive Plan" (LTI) abgestimmt wurde, dürften die Belastungen durch Star dennoch für Gesprächsstoff gesorgt haben.