Cyber Security Report der Telekom

Mit Industrie 4.0 steigt das Angriffsrisiko

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
90 Prozent aller Unternehmen verzeichnen Cyberangriffe. Zu diesem Ergebnis kommt der Security Report der Telekom. Gleichzeitig fühlen sich 60 Prozent der Firmen gut gegen Angriffe gewappnet.
Mit Blick auf Industrie 4.0 gewinnt die IT-Sicherheit an Stellenwert.
Mit Blick auf Industrie 4.0 gewinnt die IT-Sicherheit an Stellenwert.
Foto: IfD-Allensbach/Telekom

Industrie 4.0 braucht einen besseren Schutz vor Cyber-Angriffen. Zu diesem Schluss kommt der Cyber Security Report 2015 der Deutschen Telekom. Der Report erscheint zum vierten Mal in Folge und wurde vom Institut für Demoskopie Allensbach und dem Centrum für Strategie und Höhere Führung Bodman erstellt. Danach sehen fast 90 Prozent der Entscheider aus Politik und Wirtschaft die IT-Sicherheit als die größte Herausforderung für die flächendeckende Umsetzung von Industrie 4.0. Zudem ist die große Mehrheit der Führungskräfte (84 Prozent) davon überzeugt, dass mit Industrie 4.0, also der intelligenten Vernetzung von Menschen, Maschinen und Produktionsprozessen, das Risiko von Angriffen steigen wird. Weitere Hausaufgaben in Sachen Industrie 4.0 betreffen in den Augen der Führungskräfte die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet (80) sowie die Einigung auf weltweit einheitliche Standards (81). Im Rahmen der Studie wurden zwischen Ende August bis Anfang Oktober ein repräsentativer Querschnitt von Politikern (113 Abgeordnete) sowie Top-Führungskräften aus mittleren und großen Unternehmen (532) befragt.

Industrie 4.0 wichtiges Thema für Unternehmen

Durch die Bank sind bei den Unternehmen die Kosten für die IT-Sicherheit gestiegen.
Durch die Bank sind bei den Unternehmen die Kosten für die IT-Sicherheit gestiegen.
Foto: IfD-Allensbach/Telekom

Für 74 Prozent der Befragten war der Industrie 4.0 mittlerweile ein Begriff. Im Jahr 2014 war er erst 38 Prozent der Unternehmen bekannt. Allerdings hat sich noch nicht einmal ein Viertel der Entscheider (24) intensiver mit Industrie 4.0 beschäftigt. Es überrascht, dass trotzdem neun von zehn (92) Entscheidern die vierte industrielle Revolution als bedeutende Entwicklung für den Wirtschaftsstandort Deutschland werten. Und mehr als die Hälfte (52) betrachten Industrie 4.0 als wichtiges Thema für das eigene Unternehmen und 44 Prozent sehen sich gut vorbereitet. Allerdings sehen sich die weniger gut vorbereiteten Unternehmen der verarbeitenden Industrie nicht im Wettbewerbsnachteil. "Die produzierende Industrie ist die Branche, die am offensichtlichsten von Industrie-4.0-Lösungen profitieren kann. Zudem gibt es hier schon eine ganze Reihe von konkreten Einsatzfeldern, insbesondere in der Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M)", erklärt Anette Bronder, Director der Digital Division von T-Systems und somit verantwortlich für Industrie 4.0.

IT-Sicherheitskonzepte in der Produktion

Fast die Hälfte der Unternehmen wird mittlerweile regelmäßig angegriffen
Fast die Hälfte der Unternehmen wird mittlerweile regelmäßig angegriffen
Foto: IfD-Allensbach/Telekom

Dabei gehen die Unternehmen das Thema nicht blauäugig an. Mehr als die Hälfte (53) der Unternehmen in der verarbeitenden Industrie hat sich schon mit speziellen IT-Sicherheitskonzepten für den Produktionsbereich auf die zunehmende Digitalisierung eingestellt. Fast die Hälfte verfügt über gesonderte Sicherheitslösungen zum Datentausch zwischen Produktionssteuerung und Produktion. Eine Maßnahme die durchaus erforderlich ist, denn mehr als ein Drittel (36) der deutschen Unternehmen wird nach eigenen Angaben mehrmals die Woche oder täglich von Cyberkriminellen angegriffen. Neun von zehn Unternehmen sind bereits Opfer von IT-Angriffen gewesen. "Wir müssen davon ausgehen, dass es zudem eine hohe Dunkelziffer unerkannter Angriffe gibt", fügte Bronder hinzu. "Durchschnittlich dauert es mehr als 220 Tage, bis ein Angriff überhaupt erkannt wird."

Das Sicherheitsgefühl

Trotz steigender Angriffszahlen die Unternehmen die Risiken eines Kackerangriffs eher gering ein.
Trotz steigender Angriffszahlen die Unternehmen die Risiken eines Kackerangriffs eher gering ein.
Foto: IfD-Allensbach/Telekom

Trotz der hohen Zahl der Angriffe fühlen sich die Unternehmen anscheinend sicher. Nur zwölf Prozent befürchten, dass ein Hackerangriff sie gravierend schädigen könnte. Dabei sind 60 Prozent der Entscheider überzeugt, dass ihre IT auf eventuelle Angriffe gut vorbereitet ist. Allerdings korreliert das Bedrohungsgefühl sehr eng mit konkreten Vorfällen. Passiert wenig oder dringen keine spektakulären Fälle in die Öffentlichkeit, dann wird die Gefahr verdrängt. Nach wie vor beschäftigen sich die Unternehmen eher ungern mit dem Thema IT-Sicherheit.

Ausgaben für IT-Sicherheit gestiegen

Ein Image-Problem in Sachen Sicherheit hat hierzulande nach wie vor die Cloud.
Ein Image-Problem in Sachen Sicherheit hat hierzulande nach wie vor die Cloud.
Foto: IfD-Allensbach/Telekom

92 Prozent der Führungskräfte in mittleren und großen Unternehmen sagen, dass IT-Sicherheit in ihrem Unternehmen einen hohen bis sehr hohen Stellenwert hat. So sind denn auch die Security-Ausgaben teilweise deutlich gestiegen: 29 Prozent geben jetzt deutlich mehr aus als vor einigen Jahren, knapp die Hälfte (49) etwas mehr. Hartnäckig hält sich die Meinung, dass Cloud Services unsicher sind. Nur 24 Prozent der Führungskräfte halten Cloud Computing für sicher. Damit hat sich das Vertrauen in Cloud Computing in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert.

54 Prozent der mittleren und großen Unternehmen in Deutschland sehen die zunehmende Digitalisierung und die damit einhergehenden Investitionskosten als große oder sogar sehr große finanzielle Herausforderung. Dies spiegelt sich auch in den IT-Kosten wider, die bei 85 Prozent der Unternehmen gestiegen sind. Interessant ist, dass fast ein Drittel (31) der Unternehmen nicht genau wissen, in was sie in der IT investieren sollten.

 

Olaf Barheine

Besonders gefährdet sind allerdings Industrieanlagen, bei denen auf Verschlüsselung und Firewalls gänzlich verzichtet wird. Hunderte solcher Anlagen findet man leider immer noch in Deutschland. Da ist es dann nur eine Frage der Zeit, bis irgendwelche Hacker ihr zerstörerisches Werk beginnen. Ein (Standard-)Passwort stellt da keine wirkliche Hürde dar. Offenbar muss immer erst etwas passieren, bevor gehandelt wird.

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