Anonym surfen ist machbar

Mit der Tarnkappe gegen die Vorratsdatensammler

09.11.2007
Von Handelsblatt 
Die geplante Vorratsdatenspeicherung verunsichert viele PC-Benutzer: Sie schauen sich nach Möglichkeiten um, anonym im Web zu surfen. Das geht durchaus - und ist sogar relativ einfach.

Von wegen, das Internet ist anonym: Wer im Web surft, der hinterlässt unbemerkt jede Menge Spuren. Mein Onlineprovider zum Beispiel weiß ganz genau, wann ich online gegangen bin, wie viele Daten ich übertragen habe und welche Dienste im Netz genutzt wurden. Sogar welche Webseiten aufgerufen wurden, lässt sich mühelos nachvollziehen.

Doch die Spuren reichen noch weiter. Auch auf den Webservern bleiben Fußabdrücke zurück. Dort ist penibel dokumentiert, welche Webseite aufgerufen wurde und wann, mit welchem Browser ich unterwegs war, welches Betriebssystem benutzt wurde und einiges mehr. Wer nun die gespeicherten Daten des Onlineproviders und die auf den Webservern zusammenbringt, kann mühelos ein detailliertes Surfprofil erstellen.

Darum sind viele Computerbenutzer dieser Tage nicht grundlos besorgt. Denn durch die geplante Vorratsdatenspeicherung werden nicht nur mehr Daten erhoben und gespeichert, sondern diese vor allem auch deutlich länger als bisher aufbewahrt. Wird das Gesetz tatsächlich umgesetzt, können sich Behörden und Ermittler noch Monate nach einer Surftour ein genaues Bild vom Webausflug machen. Immer mehr Computerbenutzer fragen sich deshalb, wie sie ihre Identität verschleiern können.

Das ist ohne großen Aufwand möglich - und völlig legal. Wer seine Datenverbindung "tunnelt" - wie die Fachleute sagen - surft quasi mit Tarnkappe. Dabei wird nicht, wie sonst üblich, eine direkte Verbindung zwischen PC und Web-Server aufgebaut, sondern ein Server zwischengeschaltet. Das reicht, um die Herkunft zu verschleiern.

Es gibt diverse kostenlose Webdienste, die beim Anonymisieren (Tunneln) behilflich sind, etwa der bekannte Service "Anonymität online" der TU Dresden oder der Anonymisierungsdienst Jondonym. Bei beiden muss der Browser umkonfiguriert werden, was allerdings mit etwas Aufwand verbunden ist.

Einfacher ist das Surfen mit Tarnkappe mit der Software Torpark, die es kostenlos gibt. Hier müssen keine Einstellungen am Browser vorgenommen werden. Einfach Torpark laden und durch Doppelklick starten, schon ist man anonym im Web unterwegs. Torpark basiert auf dem Browser Firefox, die Bedienung ist kinderleicht. Torpark lässt sich mühelos auf einem USB-Stick speichern: Einfach auf einen PC stecken, schon kann losgesurft werden.

Allerdings bringt das Surfen mit Torpark auch einige Nachteile mit sich. Vor allem beim Datentempo. Durch das "Tunneln" wird die Surftour spürbar gebremst. Angesteuerte Webseiten bauen sich mitunter im Schneckentempo auf. Wer einen kommerziellen Tarnkappendienst wie Jondonym in Anspruch nimmt, ist deutlich schneller im Netz unterwegs, da hier leistungsfähigere Server zum Einsatz kommen.