T-Systems IT-Chef Ferri Abolhassan im CW-Interview

Mit der Open Telekom Cloud auf Expansionskurs

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Unterstützt vom chinesischen Anbieter Huawei will T-Systems zu einem der größten Anbieter von Public-Cloud-Ressourcen aufsteigen. Ferri Abolhassan, Chef der IT-Division von T-Systems, erläutert die Pläne der Telekom-Tochter.
Ferri Abolhassan, Geschäftsführer der IT-Division von T-Systems, diskutierte mit CW-Redakteur Jürgen Hill über die Cloud-Pläne der Telekom.
Ferri Abolhassan, Geschäftsführer der IT-Division von T-Systems, diskutierte mit CW-Redakteur Jürgen Hill über die Cloud-Pläne der Telekom.
Foto: T-Systems

CW: Herr Abolhassan, wie laufen die Geschäfte?

FERRI ABOLHASSAN: Die Neuaufstellung rechnet sich: wir wachsen. Und bei der Profitabilität sind wir nach Plan unterwegs. Was mancher Wettbewerber noch vor sich hat, haben wir erledigt. Jetzt können wir uns auf Markt-, Portfolio- und Wachstumsthemen konzentrieren. Wir haben gleichzeitig Effizienz und Qualität nachweislich verbessert. Im Qualitäts-Benchmark eines Marktforschungsinstituts, das dazu weltweit 3.000 Kunden befragt, gehören wir zu den Top 10 - und das schon zum dritten Mal in Folge. Damit setzen wir einen neuen Benchmark in der Branche, was uns auch führende Analysten bestätigen.

CW: Aber läuft Ihr klassisches IT-Geschäft wirklich noch rund oder warum setzen Sie jetzt alles auf die Cloud-Karte?

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FERRI ABOLHASSAN: Cloud machen wir schon seit 10 Jahren, da hat es nur noch keiner so genannt. Mit der Digitalisierung bekommt die Technologie eine ganz andere Bedeutung: Alles was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert, alles was vernetzt werden kann, wird auch vernetzt, und alles was in die Cloud kann, geht auch in die Cloud. Heute sind wir der größte Betreiber von SAP aus der Private Cloud weltweit. Mit mehr als 50 Millionen SAPs und über 2,6 Millionen Nutzer.

Und mehr noch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie heute keinen anderen Player außer uns finden werden, der ihnen auf der Private-SaaS-Seite Applikationen von SAP, Microsoft und Salesforce aus einer Hand hinstellen kann. Wir können das. Und genau das wird uns auch auf der Public-Cloud-Seite gelingen. Mit der Open Telekom Cloud peilen wir ganz klar die Marktführerschaft im Infrastrukturgeschäft an. Und setzten mit unserer Ende-zu-Ende-Ansatz noch einen drauf: Als Cloudifier bauen wir Cloud-Architekturen von A bis Z. Und zwar standardisiert und zu Festpreisen-Modellen.

Nach dem Intercloud-Angebot als private Cloud kommt jetzt die Open Telekom Cloud.
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Foto: Deutsche Telekom

CW: Konkret: Was machen Sie anders als der Wettbewerb?

FERRI ABOLHASSAN: Um etwas anders, sprich besser zu machen, müssen Sie sich erst mal in den Kunden hineinversetzen: Alle müssen digitalisieren - vom Bäcker um die Ecke bis zum Ölriesen. Die Grundlage dafür ist die Cloud. Nur sie macht IoT-Technologie und Co nutzbar. Und warum tun sich unsere Kunden vom Mittelstand bis zum Großkunden dabei eigentlich so schwer?

Weil es kompliziert ist, weil es viel Geld kostet und weil es riskant ist. Und genau damit räumen wir jetzt auf. Wir rollen den Markt neu auf. Die Transformation in die Cloud wird schnell, einfach und bezahlbar. Und dabei auch sicher. Mit einer Cloud, die die Großen nicht mehr in langfristige Verträge knebelt. Wir machen Outsourcing zum Un-outsourcing. Und zwar standardisiert und zu Festpreisen. Das kann nur ein Cloudifier.

CW: Und was heißt Un-outsourcer konkret?

FERRI ABOLHASSAN: Wir wollen wirklich zufriedene Kunden. Wir wollen dem Kunden die Sorge nehmen, sich langfristig an einen Dienstleister binden zu müssen. Also ohne Vendor Lock-in. Damit definieren wir die Marktregeln neu. Für Neukunden bedeutet das: "Run-on-Satisfaction". Soll heißen: In Abhängigkeit zur Größe der SAP-Umgebung können T-Systems-Kunden nach Beendigung einer drei- bis sechsmonatigen Hypercare-Phase jederzeit ohne Angabe von Gründen kündigen, sofern sie mit ihrer SAP-Transformation in die Cloud nicht zufrieden sind.

Ein entsprechendes Angebot für Bestandskunden bietet T-Systems voraussichtlich im zweiten Quartal dieses Jahres bei Vertragsverlängerung für Dynamic Services for SAP/ SAP HANA mit "Quit anytime". Angebote wie Un-outsourcer, Open Telekom Cloud und Cloudifier funktionieren nur, wenn sie intern richtig und auch in der Zusammenarbeit mit den Partnern richtig gemanagt sind. Unser Zero-Outage-Programm hat uns in den letzten fünf Jahren dahin gebracht.

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Werner Lilie

Es ist für deutsche Verhältnisse erfrischend zu lesen mit welchem Enthusiasmus Herr Abolhassan sich daran macht mit T-Systems in die Public Cloud zu starten.

Allerdings sollte er wissen, wenn er den Begriff "Skaleneffekte" derart strapaziert, was das im Public Cloud Umfeld (AWS, Microsoft, Google) bedeutet.

Denn beim derzeitigen Stand der Dinge bedeutet das 2-3 Millionen physikalische Server _per_ Anbieter und Infrastruktur-Investitionen von mehreren Milliarden USD per _Quartal_.

Wir alle wissen das weder die T-Systems noch die Telekom das Kapital dazu, noch den Willen dazu derart viel Kapital dauerhaft zu investieren, haben.

Traurigerweise muß man für absehbare Zeit davon ausgehen das ernsthafte Herausforderer für AWS, Microsoft und Google auf keinen Fall aus Europa sondern höchstens aus Asien kommen werden.

Angesichts all dessen sollte entweder AWS, Microsoft oder Google Herrn Abolhassan ein besseres Angebot machen, denn dort ist sein Enthusiasmus für eine der wichtigsten technischen Umbrüche der letzten Jahrzehnte nicht umsonst verschwendet.

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