Gadget des Tages

Mit dem Fairphone nachhaltig(er) telefonieren

Tobias Wendehost beschäftigt sich als Volontär aktuell mit verschiedenen Hardwarethemen und stellt täglich ein Gadget des Tages vor. Ansonsten arbeitet er sich thematisch durch die Ressorts Job und Karriere, Software, Netzwerke und Mobile sowie IT-Strategie. Wer möchte, kann Tobias bei Twitter (@tubezweinull) folgen oder bei Xing eine Nachricht schreiben.
Bas van Abel hat mit Gleichgesinnten ein Smartphone entwickelt, das nachhaltig produziert werden soll. Das Crowdfunding-Projekt hat bereits die kritische Marke von 5000 verkauften Handys überschritten.

Die Massenproduktion von Gadgets birgt erhebliche Probleme. Häufig kommen die Rohstoffe aus Krisenregionen, in denen Minenarbeiter unter erbärmlichen Bedingungen arbeiten müssen. Dieses Problem setzt sich in den Produktionsstätten fort, wie das Beispiel Foxconn gezeigt hat. Daher versuchen einzelne Projekte die Produktionskette zu kontrollieren, so dass Rohstoffabbau und Herstellung nachhaltiger sind. Ein Beispiel ist Fairphone.

Fairer Preis mit Verhaltenskodex

Der Niederländer Bas van Abel und ein Team von Gleichgesinnten hatte bereits im April angekündigt, ihr Smartphone noch dieses Jahr zu vermarkten. Was neben fairen Produktionsbedingungen heraussticht: Im Gegensatz zu Modellen von Apple und Samsung soll das Gadget vergleichsweise günstige 325 Euro kosten. Da es sich um ein Crowdfunding-Projekt handelt, benötigten die Entwickler aber mindestens 5000 Bestellungen, um mit der Herstellung beginnen zu können. Diese Marke wurde nun bereits sieben Tage vor Ablauf der Finanzierungsphase überschritte. Insgesamt beteiligen sich bereits über 5600 Crowdfunder an dem Projekt.

Gleichzeitig weisen die Initiatoren des Projekts darauf hin, dass ihr Smartphone im ersten Jahr nicht hundertprozentig fair hergestellt werden kann. Speziell die Suche nach Produktionspartnern stellte sich als eines der Hauptprobleme heraus. Dennoch garantieren die Fairphone-Macher, dass die Rohstoffgewinnung "konfliktfrei" sei. Das verwendete Zinn stammt beispielsweise vom OECD-geförderten Projekt "conflict-free tin initiative" in der Demokratischen Republik Kongo. Wie Motorola und Blackberry sind die Verantwortlichen überzeugt, dass sich durch staatliche Kontrollen die Arbeitsbedingung in der kongolesischen Mine nachweislich verbessert hat.

Für die Herstellung setzen die Niederländer auf das chinesische Unternehmen A’Hong. Nach längerer Suche waren van Abel und die Fairphone-Entwickler zuversichtlich, einen Partner gefunden zu haben, der sich an den definierten Verhaltenskodex hält und nach den Prinzipien der Organisation Laborvoice arbeitet. Da jedes Handy Verschleißerscheinungen hat, achten sie zudem auf die Entsorgung und kooperieren mit der niederländischen Initiative "Closing the Loop". Diese arbeitet mit dem Reseller Techreturns zusammen und kümmert sich um die Wiederverwertung der verbauten Materialien.

Spezifikationen

Doch was bekommt man für die Nachhaltigkeit? Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Smartphone kaum von anderen Mobiltelefonen. Das 4,3-Zoll-Display ist etwas für Gadget-Freunde, die es vergleichsweise klein mögen. Zudem muss man Abstriche bei der Auflösung machen, die mit 960 mal 540 Pixel gering ausfällt. Herzstück des Fairphones ist ein Quad-Core-Prozessor mit 1,2 Gigahertz, der von einem Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt wird. Die integrierten 16 Gigabyte Speicher sind ausreichend für Apps und Musik (per Micro-SD auf bis zu 32 Gigabyte erweiterbar). Als Betriebssystem kommt Android 4.2 zum Einsatz. Daneben sollen aber auch Firefox OS oder Ubuntu for Phones als OS möglich sein.

Eine 8-Megapixel-Rückkamera mit Autofokus und Blitzlicht ist ebenso verbaut wie eine Frontkamera, die allerdings nur 1,3 Megapixel bietet. Der verwendete 2000-Milliampere-Akku lässt sich laut Entwicklerteam ohne Probleme austauschen. Etwas enttäuschend ist aber, dass kein LTE-Modul integriert wurde. Dafür können aber zwei Sim-Karten (Dual Sim) genutzt werden. Mit einem Gewicht von 165 Gramm ist das Fairphone nicht gerade leicht. Schließlich versenden die Initiatoren aus nachhaltigen Gründen keine Kopfhörer mit. Auf ausgefeilte Gestensteuerung wie beim Samsung Galaxy S3 und S4 oder Stereolautsprecher wie im HTC One müssen Interessenten letztlich auch verzichten.

Bei einem Preis von 325 Euro und transparenten Produktionsbedingungen, ist das Fairphone ein interessantes Angebot. Weitere Details gibt es auf der Entwickler-Website. Über diese lässt sich das Gadget auch vorbestellen. Die Finanzierungsphase der ersten Smartphones läuft bis 13. Juni. Da mittlerweile die kritische Marke von 5000 verkauften Fairphones überschritten ist (siehe Video), möchten die Macher laut einem Blog-Eintrag so schnell wie möglich mit der Produktion beginnen.