Mit "brauchbarem Know-how" Rechnerfamilie für den technisch-wissenschaftlichen Bereich entwickelt: 32-Bit-Rechner von HP für CAD-Bereich

26.11.1982

FRANKFURT (rs) - Mit ihrem ersten echten 32-Bit-Rechner will die Hewlett-Packard GmbH laut Geschäftsführer Wolfgang Rucker ihren technologischen Führungsanspruch bekräftigen. Die neue Familie HP 9000 ist ganz auf den technisch-wissenschaftlichen Markt ausgelegt, mit Eigenbau-VLSI-Chips von in der Serienfertigung bislang nicht erreichter Integrationsdichte ausgestattet, verfügt über zwei Betriebssysteme sowie Schnittstellen zu Ethernet- und HP-Netzwerken. Im Ende Oktober abgeschlossenen Geschäftsjahr erreichte das Unternehmen einen Umsatzzuwachs von rund 15 Prozent. Das neue Geschäftsjahr geht Hewlett-Packard mit einigem Optimismus an: "Wir haben", ist sich Rucker sicher, "ein brauchbares Know-how."

Die Verarbeitungsleistung der neuen Computer entspricht mit etwa einer Million Instruktionen pro Sekunde der anderer 32-Bit-Rechner. Beim Einstieg in die 9000-Serie kommt man zunächst mit 85 000 Mark hin. Die Leistungsfähigkeit, die geringen Abmessungen und die relativ niedrigen Kosten ließen sich laut Hewlett-Packard durch VLSI-Technologie erreichen. Kernstück eines HP 9000 sind fünf Chips, auf denen eine um bis zu achtmal höhere Packungsdichte als bei den momentan verfügbaren höchstintegrierten Bausteinen erzielt wird.

Auf der Basis der 9000-Modelle will HP jedem Benutzer im technischwissenschaftlichen Bereich einen eigenen "Großrechner" bieten. Ein solcher Supermikro löse die technischen Probleme besser als eine große zentrale Rechenanlage, die sich viele Benutzer teilen.

Bestandteile einer typischen Arbeitsstation der Serie 9000 sind ein Standard- oder Farbgrafikbildschirm mit Tastatur und eingebautem Drucker, eine kombinierte Winchester-Floppy-Einheit mit einer Kapazität von 10 MB (Festplatte und 256 KB Floppy) sowie ein fehlerkorrigierender Hauptspeicher mit maximal 2,5 MB.

Die Architektur der neuen Computer, die die Integration mehrerer CPUs gestattet, ermöglicht eine Reihe von 32-Bit-Rechnern mit abgestufter Leistungsfähigkeit. Zur 9000-Familie gehören die Modelle 500, 600 und 700 mit einer, zwei und drei Zentraleinheiten. Theoretisch sind sechs CPUs möglich, doch schon die vierte bringt keinen nennenswerten Gewinn mehr.

Kern jedes dieser unterschiedlichen Modelle ist das sogenannte Speicher-Prozessor-Modul. Bestandteile dieses Moduls sind der 32-Bit-Prozessor, der Ein-/Ausgabeprozessor mit acht separaten Kanälen, die im direkten Speicherzugriff arbeiten können, sowie der Hauptspeicher mit Moduln von je 256 KB, bestehend aus 128 KBit Chips.

Die CPU, der Ein-/Ausgabeprozessor und der Hauptspeicher stehen über einen Speicher-Prozessor-Bus, der als Rückwandplatine realisiert ist, in Verbindung. Dieser Bus ermöglicht den Datenaustausch zwischen den genannten Elementen mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 36 Megabyte pro Sekunde.

Andere Charakteristika der HP 9000 Familie sind nach Herstellerangaben bei einer Mikrobefehlszykluszeit von 55 ns (Nanosekunden) die Ausführungsgeschwindigkeit von einer Million Befehle pro Sekunde sowie eine Datenübertragungsgeschwindigkeit von 6 MB pro Sekunde bei der Ein- und Ausgabe von Daten. Die Speicherzykluszeit beträgt 110 Nanosekunden.

Die Adressierung des virtuellen Speichers der HP 9000 ist intern und extern eine 32-Bit-Adressierung; somit können Anwender, die auf technisch-wissenschaftlichem Gebiet tätig sind, mit der Größe von Programmen und Datenstrukturen bis an die 500 MB gehen.

Mit dieser Leistungsfähigkeit lassen sich Applikationen wie die "Finite-Element"-Analyse, die Generierung dreidimensionaler Modelle, die Simulation elektronischer Schaltungen und ähnliche rechenintensive Anwendungen abdecken.

HP-9000-Anwender haben die Wahl zwischen zwei Betriebssystemen: HP-UX, eine erweiterte Version von Unix oder eine Version von Hewlett-Packards erweitertem Basic (HP Enhanced Basic).

HP-UX ermögliche die Nutzung des virtuellen Speicherkonzepts bei der Speicherung von Programmen und Daten und biete erhöhte Sicherheit beim Arbeiten mit Dateien. In HP-UX sind die Softwarepakete Image/9000 (Datenbankverwaltungspaket) und Graphics/9000 (Software zur Erstellung von zwei- und dreidimensionalen Grafiken) verfügbar. Des weiteren unterstützt HP-UX die Sprachen Pascal, Fortran und C, einen Terminal-Emulator für asynchrone Datenübertragung und die Anschlußmöglichkeiten an Ethernet-Netzwerke und an Netze von Rechnern und Tischcomputern der Serie 9000, die über HP "Shared Resource Manager" verbunden sind.

Das 9000-Basic ist ein Multi-Task-System, das HP zufolge durch Programmaufteilung gleichzeitig bis zu 60 Tasks oder Programme verarbeiten kann. Mit Hilfe der Möglichkeit der Darstellung von Prozeßabläufen auf verschiedenen Bildschirmfenstern können mehrere Prozesse vom Benutzer überwacht werden. In dieses Basic implementiert sind Programm-Module zur Darstellung zwei - und dreidimensionaler Grafiken, das Image-Datenbankverwaltungssystem mit der Dialogsprache Query, ein asynchroner Terminal-Emulator und der "HP Shared Resourse Manager".

Das Teilnehmerbetriebssystem HP-UX ist für Einzel- und Mehrbenutzerbetriebe geeignet. Das HP 9000-Basic ist dagegen ein ereignisgesteuertes Einzelbenutzersystem. Dank einer Reaktionszeit von 200 bis 300 Mikrosekunden auf Programmunterbrechungen eignet sich das Basic-Betriebssystem nach Ansicht des Herstellers besonders für Anwendungen im Bereich der ereignisgesteuerten Meßwerterfassung und -verarbeitung.

Schwerpunkt: Problemlösungen

Hewlett-Packard will mehrere eigene Software-Pakete für die Serie 9000 während des kommenden Jahres einführen, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf Problemlösungen im Bereich der Elektrotechnik und des Maschinenbaus liegt. Insbesondere will Hewlett-Packard nach eigenen Angaben Software-Pakete für die Elektronikentwicklung, wie beispielsweise den automatischen Entwurf und Design von Leiterplatten und Software-Pakete für die "Finite-Element" -Analyse und die Generierung dreidimensionaler Modelle anbieten.

Bereits verfügbar ist FE II, ein Programmsystem für Finite-Element-Analyse. Zur Verfügung steht außerdem HP-Design, ein Softwaresystem mit dem mechanische Teile oder Baugruppen gezeichnet, bemaßt, beschriftet und korrigiert werden können.

Für die Serie 9000 ist auch eine Schnittstelle für das Verbundnetzkonzept "Ethernet" lieferbar. Damit ist Hewlett-Packards neuer 32-Bit-Rechner der erste HP-Computer mit einer Ethernet-Schnittstelle. Hewlett-Packard hat eine Ethernet-Schnittstelle vorgesehen, da einige Kunden daran interessiert seien, HP9000-Computersysteme an Hochgeschwindigkeitsnetze anzuschließen, noch bevor das IEEE-802 LAN genormt sei.