3. Platz - Hans-Joachim Popp, DLR

Mit beiden Beinen auf der Erde

Simon verantwortet als Program Manager Executive Education die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT. Zuvor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
Stabilität und Beharrlichkeit sind alles. Für seine Arbeit braucht Hans-Joachim Popp viel Geduld.
Hans-Joachim Popp, CIO des DLR, wurde beim "CIO des Jahres 2008" in der Kategorie Großunternehmen Dritter.
Hans-Joachim Popp, CIO des DLR, wurde beim "CIO des Jahres 2008" in der Kategorie Großunternehmen Dritter.
Foto: Joachim Wendler

Den CIO des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) bringt nichts aus der Ruhe - keine Ausreden der Anwender, keine aufständischen Dienstleister, kein gedeckeltes IT-Budget und kein unterbesetzter Kindergarten. "Wenn es mir zu bunt wird, dann kann ich schon sehr deutlich werden", sagt Popp forsch, "aber laut wird es dabei selten, und dass ich aufgebe, darauf braucht niemand zu warten."

Der passionierte Freizeit-Rock 'n' Roll- und Jazz-Musiker ist seit rund vier Jahren für das IT-Management des Forschungsdienstleisters der europäischen Luft- und Raumfahrt verantwortlich. "Mit meiner Erfahrung konnte ich hier als unbeschriebenes Blatt ganz neu anfangen und hatte das Glück, mir die nötige Glaubwürdigkeit schnell erarbeiten zu können", resümiert der zweifache Familienvater. "Ich bin mit Herzblut dabei und schaffe es immer häufiger, die Kunden von meinen Projekten zu überzeugen."

Obwohl der ehemalige IT-Manager vom TÜV Süddeutschland ("Nur die Argumente der Anwender waren andere") sich nun täglich mit den Anforderungen in der Raumfahrt auseinandersetzt, hat er den sachlichen Blick auf sein Umfeld nicht verloren - von romantischer Verklärung keine Spur. "Ich bin kein Sterngucker - mich faszinieren komplexe Systeme ", merkt Popp an - als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre. Mit dieser Begeisterung nimmt er den oftmals komplexen Projekten des DLR ihren Schrecken.

Interview: All-Tage und Ball-Tage

CW: Herr Popp, würden Sie gerne einmal als Weltraumtourist zur Raumstation ISS fliegen?

POPP: Ich bin kein Achterbahnfahrer und steige auch nicht freiwillig in die Zentrifuge. Trotzdem würde ich einen Ausflug ins All sofort wagen, wenn ich die Chance dazu bekäme. Der Astronaut Thomas Reiter, als DLR-Vorstand einer meiner wichtigsten Kunden, hat mir erzählt, dass der Blick auf unsere so verletzliche Erde vom Weltraum aus schwer zu beschreiben und absolut einmalig ist. Sein Respekt für unsere Umwelt ist viel größer geworden. Ich würde viel darum geben, das einmal selbst zu erleben.

CW: Sie haben nebenbei als ehrenamtlicher Vorstand im DLR-Kindergarten ausgeholfen. Wie lässt sich so etwas mit dem hektischen Leben als IT-Manager vereinbaren?

POPP: Ich muss zugeben, dass mich so mancher für verrückt erklärt hat. Aber wir hatten ein extrem schwieriges Personalproblem und wenig Erfahrung in der Elternschaft. Da musste ich mich mit meinen Kenntnissen im Personal-Management einfach engagieren. Die Kinder unserer Mitarbeiter sind der wissenschaftliche Nachwuchs von morgen. Dafür muss Zeit übrig sein. Da weiß ich auch den DLR-Vorstand hinter mir.

CW: Wenn Sie für einen Tag mit jemandem tauschen könnten - wen würde es treffen?

POPP: Für seinen Führungsstil bewundere ich Fußballbundestrainer Joachim Löw. Er hat eine glasklare Vorstellung seiner Ziele und setzt sie auch deutlich, mit wenig Emotionen, aber kooperativ durch. Er verwaltet keine Denkmäler, sondern fördert immer die derzeit Besten. Fußball und IT-Management haben viel gemeinsam: Taktik, Technik und Psychologie greifen so eng ineinander, dass es immer wieder zu frappierenden Überraschungen kommt. Aber die Grundlage ist immer, sein Handwerk zu verstehen. Und das ist bei mir eben das Verständnis von Geschäftsanforderungen, Kundenbedürfnissen und Informationstechnologie in schwierigen Umgebungen. Ich fühle mich in der Raumfahrt deshalb sehr wohl.

CW: Und ihre zwei Jungs zu Hause: sind die auch "Raumfahrer"?

POPP: Die sind begeistert. Der Kleinere fragt mich regelmäßig, ob ich heute wieder an einer Rakete herumgeschraubt habe. Da geht mir natürlich das Herz auf.