Platz 3 - Großunternehmen

Mit beiden Beinen auf der Erde

Simon verantwortet als Program Manager Executive Education die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT. Zuvor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
Stabilität und Beharrlichkeit sind alles. Für seine Arbeit beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt braucht Hans-Joachim Popp viel Geduld.

Den CIO des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) bringt nichts aus der Ruhe - keine Ausreden der Anwender, keine aufständischen Dienstleister, kein gedeckeltes IT-Budget und kein unterbesetzter Kindergarten. "Wenn es mir zu bunt wird, dann kann ich schon sehr deutlich werden", sagt Popp forsch, "aber laut wird es dabei selten, und dass ich aufgebe, darauf braucht niemand zu warten." Der passionierte Freizeit-Rock ‚Äön‚Äò Roll- und Jazz-Musiker ist seit rund vier Jahren für das IT-Management des Forschungsdienstleisters der europäischen Luft- und Raumfahrt verantwortlich. "Mit meiner Erfahrung konnte ich hier als unbeschriebenes Blatt ganz neu anfangen und hatte das Glück, mir die nötige Glaubwürdigkeit schnell erarbeiten zu können", resümiert der Vater von zwei Kindern. "Ich bin mit Herzblut dabei und schaffe es immer häufiger, die Kunden von meinen Projekten zu überzeugen."

Standards schaffen

Obwohl der ehemalige IT-Manager vom TÜV Süddeutschland ("Nur die Argumente der Anwender waren andere") sich nun täglich mit den Anforderungen in der Raumfahrt auseinandersetzt, hat er den sachlichen Blick auf sein Umfeld nicht verloren - von romantischer Verklärung keine Spur. "Ich bin kein Sterngucker - mich faszinieren komplexe Systeme", merkt Popp an - als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre. Mit dieser Begeisterung nimmt er den oftmals komplexen Projekten des DLR ihren Schrecken.

Als einen wichtigen Erfolg im aktuellen Jahr sieht Popp die Standardisierung der Plattformen für Hochleistungsrechnersysteme im DLR. Das betrifft nicht nur Hard- und Software, sondern vor allem auch die Methoden und Vorgehensmodelle im Aufbau und Betrieb. "Nur so können wir in dem enormen Wettbewerb um die schnellsten Parallelrechner mithalten. Jeder Tag Verzögerung beim Aufbau einer neuen Plattform kostet uns wertvollen Vorsprung bei den Simulationsmodellen", beschreibt Popp die Situation.

Wachsame Augen

Die Standardisierung spielte auch im Bereich Security eine zentrale Rolle. Weil die Forscher viel reisen, waren die Notebooks immer wieder Einfallstor für Schadsoftware. Abseits von Virenscannern und Patch-Management gab es keine einheitliche Regelung für die Ausstattung mit Schutzmechanismen. Popp erwirkte einen Vorstandsbeschluss zur Einführung einer Desktop-Firewall auf allen mobilen Systemen des Unternehmens. Rund 2000 Arbeitsplätze mussten auf ihre Kompatibilität geprüft werden, darunter auch viele aus den Führungsetagen. "Der Vorstand hatte immer ein wachsames Auge auf mich", schmunzelt Popp. "Die Intimsphäre der Kollegen zu berühren hat das Projekt in der Folge natürlich auch verzögert. Plötzlich wurden 500 Notebooks als rein stationär gemeldet. Daraufhin haben wir das Auswahlkriterium geändert, und schon ging es weiter." Unbeeindruckt von den Widerständen aus den Geschäftsbereichen brachte er das Projekt schließlich mit der ihm eigenen Beharrlichkeit erfolgreich zum Abschluss.

Die knapp 200 Kolleginnen und Kollegen, für deren Arbeit er die Verantwortung trägt - neun in seiner eigenen Stabsabteilung, 55 dezentrale IT-Verantwortliche und 130 Partner beim Flächendienstleister T-Systems -, schätzen seine Zielstrebigkeit. "Ich lasse mich von Herstellern nicht zu vorschnellen Updates oder neuen Super-Tools drängen. Risiken gehen wir vor allem in unseren Forschungsthemen ein, nicht bei der Infrastruktur. Die IT-Werkbank muss stabil sein und deshalb aus bewährten Komponenten bestehen", ist der CIO überzeugt.

Die Zukunft ist grün

Skeptisch ist der IT-Manager auch gegenüber den aufkeimenden Angeboten für Internet-basierende Computing- und Speicherkapazitäten. "Wir stehen im Fokus diverser Spionage-Organisationen und müssen sehr vorsichtig sein", berichtet Popp, "deshalb versuchen wir lieber, unsere eigene DLR-Cloud aufzubauen und die vorhandenen Ressourcen optimal zwischen den Einrichtungen zu teilen." Den Trendthemen Virtualisierung und Green IT räumt er dagegen auch im Super-Computing-Bereich große Aufmerksamkeit ein und beschäftigt sich verstärkt mit der effizienteren Auslastung der eigenen Rechenzentren: "Wir bauen gerade an einem grünen RZ, schreiben Projekte auch unter Energieaspekten aus und setzen seit Jahren konsequent auf Virtualisierung." Hier und in der Verbesserung der ECM-Systeme des DLR sieht Popp seine zentralen Arbeitsfelder für das kommende Jahr. Entmutigen lassen wird er sich auch bei seinen neuen Vorhaben bestimmt nicht.

Interview: All-Tage und Ball-Tage

CW: Würden Sie gerne einmal als Weltraumtourist zur Raumstation ISS fliegen?

POPP: Ich bin kein Achterbahnfahrer und steige auch nicht freiwillig in die Zentrifuge. Trotzdem würde ich einen Ausflug ins All sofort wagen, wenn ich die Chance dazu bekäme. Der Astronaut Thomas Reiter, als DLR-Vorstand einer meiner wichtigsten Kunden, hat mir erzählt, dass der Blick auf unsere so verletzliche Erde vom Weltraum aus schwer zu beschreiben und absolut einmalig ist. Sein Respekt für unsere Umwelt ist viel größer geworden. Ich würde viel darum geben, das einmal selbst zu erleben.

CW: Sie haben als ehrenamtlicher Vorstand im DLR-Kindergarten ausgeholfen. Wie lässt sich so etwas mit dem hektischen Leben als IT-Manager vereinbaren?

POPP: Ich muss zugeben, dass mich so mancher für verrückt erklärt hat. Aber wir hatten ein extrem schwieriges Personalproblem und wenig Erfahrung in der Elternschaft. Da musste ich mich mit meinen Kenntnissen im Personal-Management einfach engagieren. Die Kinder unserer Mitarbeiter sind der wissenschaftliche Nachwuchs von morgen. Dafür muss Zeit übrig sein. Da weiß ich auch den DLR-Vorstand hinter mir.

CW: Wenn Sie für einen Tag mit jemandem tauschen könnten - wen würde es treffen?

POPP: Für seinen Führungsstil bewundere ich Fußballbundestrainer Joachim Löw. Er hat glasklare Ziele und setzt sie mit wenig Emotionen, aber kooperativ durch. Er verwaltet keine Denkmäler, sondern fördert immer die derzeit Besten. Fußball und IT-Management haben viel gemeinsam: Taktik, Technik und Psychologie greifen eng ineinander. Aber die Grundlage ist immer, sein Handwerk zu verstehen. Und das ist bei mir eben das Verständnis von Geschäftsanforderungen, Kundenbedürfnissen und Informationstechnologie in schwierigen Umgebungen. Ich fühle mich in der Raumfahrt deshalb sehr wohl.

CW: Und Ihre zwei Jungs zu Hause: sind die auch Raumfahrer?

POPP: Die sind begeistert. Der Kleinere fragt mich regelmäßig, ob ich heute wieder an einer Rakete herumgeschraubt habe. Da geht mir natürlich das Herz auf.

Hans-Joachim Popp (49), DLR

Position: CIO.

Branche: Forschungsdienstleistungen (Mitarbeiter: 5600).

Ein CIO muss ...den Bedarf erspüren, die richtigen Projekte hartnäckig vorantreiben und die Anwender und das Topmanagement voll hinter sich bringen.

Er liest gerade ...Ernst Pöppel: "Zum Entscheiden geboren - Hirnforschung für Manager".

Lieblingsfächer ...in der Schule: Physik, Sprachen, Politik.

Wichtigstes Projekt:

Standardisierte Plattform für numerische Simulationen auf der Basis von Hochleistungs-Cluster-Systemen und parallelen Storage-Systemen.

Beschreibung: Einheitliche Plattformdefinition unter Linux, Schwerpunkt: massivparalleler Code, Ziel: hohe Skalierbarkeit, standortübergreifende Nutzung, DLR-internes Ressourcen-Sharing, hohe Verfügbarkeit und verkürzte Aufbauzeiten durch standardisierte Methoden.

Projektbereiche: Branchensoftware, IT-Governance, Konsolidierung (IT-Infrastruktur), Energieeffizienz/Green IT.

Herausforderungen: Shared Services für anspruchsvolles System in sensibler Anwendungsumgebung, starke Hemmungen bei den Forschergruppen. Extrem schnelle Weiterentwicklung der zugrunde liegenden Technologie.

Zeitrahmen: neun Monate.