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Mit Antispam-Algorithmen gegen HIV

24.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Forscher von Microsoft setzen eigentlich zur Bekämpfung von unerwünschten Werbe-Mails entwickelte Algorithmen gegen einen ganz anders gearteten Feind ein - das HI-Virus, das die Immunschwächekrankheit Aids verursacht. Die beiden Wissenschaftler David Heckerman und Nebojosa Jojic präsentierten die Arbeit ihres Forschungs-Teams gestern auf einer Aids-Forschungskonferenz in Boston.

Dabei wurden Softwareprogramme benutzt, um Muster in der genetischen Mutation von HI-Viren zu finden, um anschließend bessere Impfstoffe gegen Aids zu entwickeln. Die Informatiker arbeiteten dabei mit Biowissenschaftlern vom australischen Royal Perth Hospital und der US-amerikanischen University of Washington in Seattle zusammen.

Die Kooperation entstand aus der Idee, dass Software, die eine Ähnlichkeit zwischen "VIAGRA" und "V1AGXA" erkennen kann, auch nützlich bei der Analyse von DNA-Veränderungen sein könnte. Wenn es Wissenschaftlern gelingt, stabile Sequenzen über eine Reihe von Mutationszyklen hinweg auszumachen, können sie effektiver Medikamente entwickeln, die an genau diesen Stellen ansetzen.

Simon Mallal, Executive Director des Royal Perth, erklärte, mithilfe von Microsofts Technik habe man Patientendaten zehnmal schneller analysieren können als mit jeder anderen Methode zuvor.

Derzeit befinden sich die in der Folge entwickelten Impfstoff-Designs in Labortests mit Immunzellenproben von HIV-infizierten Patienten. Erste Ergebnisse sollen noch im Laufe dieses Jahres veröffentlicht werden. Die Forscher äußerten sich aber bereits sehr optimistisch bezüglich ihrer Methodik und hoffen, diese auch für andere mutierende Viren wie Hepatitis C einsetzen zu können. (tc)