Minicomputer-Boom: Wie lange noch?

18.06.1976

Die Zeiten, in denen - zumindest hierzulande - Minicomputer mit Prozeßrechnern, und nur mit diesen, gleichgesetzt wurden, sind ein für allemal vorbei.

Minis jedweder Coleur dringen dank niedriger Kosten und zunehmender Benutzerfreundlichkeit (kommerziell genormte Programmiersprachen) in Bereiche ein, die bisher noch nicht für den Rechnereinsatz erschlossen waren.

Experten wie CDC-Vizepräsident F. Kremer sagen den Minicomputern für die überschaubare Zukunft, also etwa bis 1980, ein jährliches Wachstum von 20 bis 30 Prozent voraus - davon können Universalrechner-Hersteller nur mehr träumen.

Wer den Markt analysiert, findet in der Tat genug Hinweise für einen Mini-Boom. Waren es in den letzten Jahren vor allem sogenannte Turnkey-Systems für Einzellösungen, die den Löwenanteil aller Minicomputer-Installationen ausmachten, so hat sich in jüngster Zeit der Schwerpunkt auf das Gebiet der Datenfernverarbeitung verlagert: Computer-Verbundnetze. intelligente Terminals, Message-Switching sind längst keine Utopie mehr. Seitdem sich die meisten Minicomputer mit entsprechendem Aufwand an Spezial- und Anwender-Software - der im Einzelfall allerdings sehr hoch sein kann zu Computer-Netzen zusammenschließen lassen, sehen viele potentielle DFÜ-Anwender in ihnen eine wirtschaftliche Alternative zu herkömmlichen Netzwerkrechnern.

Wobei nicht übersehen werden darf, daß das Konzept des "Distributed Processing" nicht etwa deshalb aktuell ist, weil es jetzt die passende Hardware gibt - was nicht nur auf den Preis zutrifft -, sondern vielmehr, weil es einem wachsenden Bedürfnis der Benutzer nach einer elastischeren und erweiterten Datenverarbeitung entspricht. Daß jetzt auch Geräte im Vorfeld der eigentlichen Verarbeitung wie (Terminals, Front-End-Rechner - letztlich die gesamte Datenübertragungs-Hardware) mit Intelligenz ausgestattet werden können, hat den Aufbau von Netzwerken also allenfalls gefördert und beschleunigt. Zumal erstaunliche Fortschritte in der Schnittstellen-Normierung gemacht wurden.

Entscheidend für den Erfolg der Minis dürfte jedoch sein, daß sie den Aufbau sogenannter "allgemeiner Netze" ermöglichen, bei denen jeder Rechner mit jedem anderen in Verbindung treten kann.

Rosa Zeiten also für den Mini-Markt? Ja, aber nur dann, wenn es den Herstellern gelingt, die speziellen Terminal-, Vorschaltrechner- und DFÜ-Controller-Eigenschaften der Minis transparent zu machen.

Vergleichskriterien für computer-Netzwerke zeigt unsere Aufstellung auf Seite13.