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Mini-Sicherungen sollen Chips schlauer machen

02.08.2004

IBM hat eine neue Prozessortechnik vorgestellt, mit der die Architektur von Chips flexibler werden soll. "eFUSE" nutzt dazu spezielle Algorithmen sowie eine Vielzahl mikroskopisch kleiner, elektronischer Sicherungen, die der Anbieter künftig fest in Prozessoren integrieren will. Damit soll es laut Hersteller möglich sein, den internen Schaltkreis von Mikroprozessoren automatisch an sich ändernde Gegebenheiten anzupassen. Das kann beispielsweise geschehen, indem die Stromversorgung in einem bestimmten Bereich erhöht oder gedrosselt wird, wenn die Rechenlast steigt beziehungsweise fällt. Eine andere Variante sieht vor, dass bestimmte Bereiche der CPU lahm gelegt werden, falls ein Problem auftreten sollte.

Bernard Meyerson, Vice President und Cheftechnologe bei IBMs Systems and Technology Group, vergleicht die Arbeitsweise von eFUSE mit dem Steuern von Verkehrsströmen auf Autobahnen durch Freigabe oder Sperrung von Fahrbahnen. Bei einer CPU würden analog dazu logische Funktionen umgeleitet.

IBM glaubt, dass diese "Chip-Morphing"-Technik Auswirkungen auf Computer, Handys und Konsumelektronikgüter haben könnte. Mit Hilfe von eFUSE sei es möglich, die Architektur von Prozessoren selbst nach der Auslieferung eines Produktes noch zu verändern. So könnten Leistung und Funktionsumfang eines Chips an die Bedürfnisse eines Anwenders angepasst werden, so der Hersteller, demzufolge sich das Morphen wiederholen oder aber auch rückgängig machen lässt.

Laut IBM soll eFUSE in Hochleistungsprozessoren auf Basis der Power-Architektur von Big Blue implementiert werden. Dazu gehören neben den "POWER5"-Prozessoren weitere CPUs, die in den "eServer"-Systemen zum Einsatz kommen, sowie die stromsparenden Silizium-Germanium- (SiGe-)Chips des Anbieters.

Die neue Technik sei prinzipiell jedoch technologieunabhängig, erfordere keine Einführung neuer Materialien, Werkzeuge oder Prozesse, betont IBM. In den Fertigungsprozessen seiner 300-Millimeter-Chipfabrik in East Fishkill im US-Bundestaat New York sowie der 200-Millimeter-Fabrik in Burlington, Vermont befinde sie sich bereits im Einsatz. (ave)