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Datenschützer skeptisch

Millionen testen Googles Browser Chrome

03.09.2008
Googles neuer Browser Chrome stößt bei Nutzern wie Fachleuten auf immenses Interesse. Seit dem Start am Dienstagabend ist die Software nach Brancheninformationen bereits mehrere Millionen Mal heruntergeladen worden.

Fachleute diskutieren ausführlich über die vorläufige Beta-Version und kommen überwiegend zu einem positiven Fazit, sehen aber für die endgültige Fassung Verbesserungsbedarf. Sicherheitsexperten bemängeln allerdings potenziell kritische Schwachstellen und raten davon ab, den Browser beim täglichen Surfen einzusetzen. Auch Datenschützer sind skeptisch.

"Chrome ist ein smarter, innovativer Browser, der die Benutzung des Internet schneller, leichter und weniger frustrierend macht", schreibt etwa Walt Mossberg, Technologie-Kolumnist des "Wall Street Journal", nach einem mehrtägigen Test. Allerdings holpere es noch hier und dort, zudem fehlten einige Funktionen, die andere Browser hätten, etwa ein Programm für die Verwaltung von Lesezeichen. David Pogue von der "New York Times" hält Chrome noch nicht für den großen Wurf, aber einen "ausgezeichneten Anfang".

Die Tester nennen drei herausragende Neuerungen: die äußerst schlichte, allerdings gewöhnungsbedürftige Benutzeroberfläche, ein einziges Eingabefeld namens Omnibox, das für Suchanfragen wie auch Internet-Adressen verwendet wird und dass Unter-Fenster (Tabs) in separaten Prozessen laufen - bei Fehlern soll so nicht der ganze Browser, sondern nur der Tab abstürzen. Allerdings ist es nach Expertenangaben trotzdem schon zu Totalabstürzen gekommen.

Sicherheitsexperte Daniel Bachfeld vom Fachverlag Heise rät Durchschnittsnutzern davon ab, die vorläufige Version beim täglichen Surfen im Internet einzusetzen: "Das wäre ziemlich gefährlich." Chrome weise mindestens eine Lücke auf, über die Schädlinge auf den Computer eingeschleust werden könnten. "Wenn so einfache Dinge innerhalb von zwölf Stunden gefunden werden, frage ich mich, was für Fehler noch enthalten sind."

Ein Kritikpunkt an Chrome: Die "eindeutige Anwendungsnummer" jeder Installation.
Ein Kritikpunkt an Chrome: Die "eindeutige Anwendungsnummer" jeder Installation.

"Aus Datenschutzsicht kann man Chrome zur Zeit nicht empfehlen", sagte Christian Krause vom Unabhängigen Landesdatenschutzzentrum Schleswig-Holstein der Deutschen Presse-Agentur dpa. Seine Kritik entzündet sich an einer Identifikationsnummer, die das Programm bei der Installation automatisch erstellt. Sie wird zwar laut Google nur für Aktualisierungen der Software eingesetzt. "Schon beim Start des Computers wird nach Updates gesucht und damit auch die Nummer übermittelt", moniert Krause jedoch. Damit seien Nutzer für Google theoretisch eindeutig identifizierbar.

Mehr als eine Testversion: Google-Browser Chrome schlägt Wellen

Es ist nur eine Beta-Version, ein Produkt mit Macken und Fehlern. Dennoch hat die Veröffentlichung von Googles Browser Chrome hohe Wellen geschlagen. Schon wenige Stunden nach Veröffentlichung am Dienstagabend hatten weltweit mehrere Millionen Nutzer das Programm heruntergeladen. Das bunte Logo sehen viele als Garanten für praktische Dienste, die das Leben im Internet leichter machen. Experten halten den Browser dagegen nicht nur für eines der Experimente, die der Konzern reihenweise startet. Denn Chrome könnte die Bedeutung des Internets langfristig verändern.

Den strategischen Gehalt des neuen Produktes machte Google-Gründer Sergey Brin bei der Vorstellung deutlich: "Unser Geschäft läuft gut, wenn die Leute das Internet viel nutzen." Denn der Konzern bietet neben seiner Suchmaschine auch zahlreiche Online-Anwendungen, die Nutzer direkt aus dem Browser bedienen - etwa Programme für Mails, einen Kalender und eine Textverarbeitung. Diese sind aber aufwendig und laufen unter den derzeit genutzten Browsern oft holprig.

"Wenn als Resultat von Chrome der Internet Explorer 9 deutlich schneller wäre, würden wir das als Erfolg ansehen", sagte Brin in Anspielung auf eine Programmversion von Microsoft, die es noch gar nicht gibt. Google will also den Wettbewerb verschärfen, damit alle Browser schneller und sicherer laufen - und damit auch die eigenen Online-Anwendungen, mit denen man dem Rivalen aus Redmond und seinen kostenpflichtigen "Office"-Produkten einheizt.

Daher ist auch nicht verwunderlich, dass Google den Quellcode offenlegt. So erreicht man so Entwickler, die freiwillig ihre Arbeitskraft einbringen. Und andere Open-Source-Projekte wie Mozilla, das den Firefox-Browser entwickelt, dürfen Funktionen aus Chrome übernehmen und für die Verbreitung der Technologie sorgen.

Mit der Veröffentlichung einer vorläufigen Version geht Google allerdings das Risiko ein, dass Schwächen und Lücken dem Image des neuen Produktes schaden. Die Fachwelt ist gespalten (siehe oben). Für ein seriöses Fazit ist es zu früh, die Entwicklung ist im vollen Gange. Dennoch: Mit Chrome ist zu rechnen - als eigenständiges Programm wie auch als Wettbewerber, der den anderen im Nacken sitzt. (dpa/tc)