Künftiges Modell 35 beeindruckt den PC-Markt nicht:

Mikrokanal durch PS/2-AT nicht gefährdet

02.09.1988

MENLO PARK (IDG) - Nicht viel bewegen wird IBM mit dem für September erwarteten PS/2-Modell 35, ermittelte die CW-Schwesterzeitung Infoworld in einer Umfrage bei Herstellern und großen Anwendern. Beide Gruppen demonstrieren Gelassenheit.

Hersteller von Third-Party-Produkten bieten in der Regel Karten für beide PC-Architekturen an. So sieht Alan Kraemer von AST keinen Grund zur Panik: "Wir werden unsere Pläne nicht ändern." Auch die meisten anderen Board-Hersteller glauben nicht, daß der neue AT dem Mikrokanal Schwierigkeiten bereiten wird. Marty Alpert, Präsident der Cumulus Cooperation in Cleveland, glaubt: "Das hat nichts mit Erfolg oder Mißerfolg des Mikrokanals zu tun, sondern ist Teil der IBM-Strategie. "Alpert verkauft monatlich MCA-Karten im Wert von rund zwei Millionen US-Dollar.

Auch Boca Research in Florida setzt nach Angaben der Sprecherin Sylvia Fagiani 200 Prozent mehr I/O-Karten für den Mikrokanal als geplant ab. Inzwischen mache das MCA-Geschäft die Hälfte des Umsatzes aus. Tim Cutler, Produktmanager bei Norcross, gab an, daß sein Unternehmen zwar nicht die Nachfrage wie bei XT- und AT-Produkten erwarte, daß aber dem Mikrokanal die Zukunft gehöre.

Auch die Anwender lassen sich nicht von bereits gefallenen Kaufentscheidungen abbringen. Selbst wenn die neuen ATs preislich interessanter seien, wolle man an der Mikrokanal-Architektur festhalten. In dem erwarteten AT-Announcement sehen viele nur eine Low-end-Ankündigung mit geringer Bedeutung für den Markt.

Trotz dieser Gelassenheit reagieren einige Beobachter skeptisch. Brian Dean, MCA-Produkt-Manager bei Richardson in Texas, ist beispielsweise der Ansicht, daß es unter den Fortune-1000-Firmen einige Enttäuschung geben wird: "Die haben sich auf den Mikrokanal eingestellt, viel für die Schulung ausgegeben - und dann kommt IBM mit einer Maschine der alten Architektur heraus."