Anwenderbericht: Immobilienscout setzt beim Netz auf Dell

Migration auf 10 Gbit/s Ethernet

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Virtuelle Desktops, bis zu vier Clients pro Mitarbeiter - solche Szenarien fordern ihren Tribut in Sachen Bandbreite. Die bekannte Online-Plattform Immobilienscout 24 migriert deshalb auf 10 Gbit/s Ethernet und setzt bei der Hardware auf Netzwerk-Newcomer Dell.
Mit über 1,5 Millionen Immobilienangebote erreicht ImmobilienScout24 über 10 Millionen Besucher pro Monat.
Mit über 1,5 Millionen Immobilienangebote erreicht ImmobilienScout24 über 10 Millionen Besucher pro Monat.
Foto: Immobilienscout 24

Über 10 Millionen Unique Visitors pro Monat, über 1,5 Millionen Millionen Immobilienangebote pro Monat die zu 300 Millionen abgerufenen Exposés führen - für die Berliner Immobilien Scout GmbH ist eine reibungslos funktionierende IT überlebenswichtig. Damit dies gewährleistet ist, betreibt das Unternehmen seine Online-Plattform ImmobilienScout24 in zwei Rechenzentren. Dort kümmert sich ein Team von 180 bis 200 Leuten um den störungsfreien Betrieb. Die Verfügbarkeit der Online-Plattform ist jedoch nur die halbe Miete. Um Besucher auf die Site zu bekommen, benötigt das Unternehmen nicht nur attraktive Angebote, sondern auch interessant aufgemachte Web-Seiten und Apps. Diese Aufgaben übernehmen am Standort Berlin rund 600 Mitarbeiter.

Am Firmensitz in Berlin arbeiten rund 600 Mitarbeiter an der Gestaltung der Online-Plattform.
Am Firmensitz in Berlin arbeiten rund 600 Mitarbeiter an der Gestaltung der Online-Plattform.
Foto: Immobilienscout 14

600 Mitarbeiter, die wiederum die IT-Abteilung auf eine ganz besondere Weise fordern: Um die Attraktivität des Web-Angebots selbst testen und verbessern zu können, nutzen die meisten User nicht nur ihren Arbeitsplatzrechner, sondern bringen auch noch eigene Devices wie Tablets oder Smartphones mit. "Im Schnitt", so André Nawojan, Head of Corporate IT bei der Immobilien Scout GmbH, "haben unsere Anwender 3,7 Devices im Einsatz." Neben dem mobilen Flohzirkus hat das Team noch 1.200 Clients zu bändigen. Auf dem Gros davon, rund 1.000, läuft Windows. Ansonsten sind noch jeweils 100 Linux- und MAC-Clients im Einsatz. Die Betriebssystemvielfalt erklärt sich schnell: Einerseits sollen die eigenen Web-Seiten auf möglichst vielen Geräten bezüglich ihrer Kompatibilität getestet werden, auf der anderen Seite ist die Web-Entwicklung noch immer eine Domäne der Linux-Anwendungen während bei der grafischen Gestaltung noch immer die MACs favorisiert werden. Die hierzu benötigten Anwendungen hostet das Unternehmen im Gegensatz zur eigentlichen Web-Seite auf Windows- und Linux-Servern im eigenen Rechenzentrum, das auch gleich am Unternehmenssitz untergebracht ist. Dieses interne RZ betreut Nawojan mit einem Team von 20 Mitarbeitern. Dabei haben der Corporate- IT-Leiter und seine Mannschaft eine Strategie formuliert, mit der sie bislang sehr gut gefahren sind: "Wir haben uns bei unserer Netzinfrastruktur frühzeitig für eine bestimmte Technologie entschieden und diese konsequent in der Praxis eingesetzt." Oder anders formuliert, für die Corporate IT ist eine dauerhaft stabile, in der Praxis bewährte Lösung zu vernünftigen Preisen sehr wichtig, da hier Basisleistungen in der Office-IT-Infrastruktur erbracht werden. Eine Strategie, die gleichzeitig Ausfälle in diesem Bereich weitestgehend verhindert hat.

Dennoch kommen Nawojan und seine Mitarbeiter nicht darum herum, von Zeit zu Zeit einen Schlussstrich unter eine eingesetzte Technik zu ziehen. So musste die Corporate-IT-Abteilung beispielsweise vor einem Jahr feststellen, dass ihr Netz nach fünf Jahren an die Grenzen der Erweiterbarkeit stieß. Schien damals 1 Gbit/s im Backbone mit der Option auf Trunking genügend Reserven zu bieten, so zeigte sich nun, dass mit dieser Technik die gestiegenen Anforderungen nicht mehr zu bewältigen waren. "Heute benötigen wir im Backbone 10 Gibt/s mit der Option später 40 Gbit/s einsetzen zu können, da letzteres momentan noch zu teuer ist", erklärt Bearny Karch, Team Lead Corporate IT bei der Immobilien Scout GmbH. Der Bandbreitenbedarf stieg nicht nur mit der Zahl der eingesetzten Endgeräte, auch neuen Anwendungen wie VoIP oder Videoconferencing forderten ihren Tribut. Als weitere Killerapplikation in Sachen Bandbreite entpuppte sich die Virtual Desktop Infrastructure (VDI). "Hier erwies sich 1 Gbit/s im Backbone als Flaschenhals", so Karch, "und mittlerweile ist bereits 1 Gbit/s zum Desktop ein Thema."

Um eine attraktive Web-Seite anbieten zu können, benötigt ImmobilienScout auch intern ein lesitungsfähiges Netz.
Um eine attraktive Web-Seite anbieten zu können, benötigt ImmobilienScout auch intern ein lesitungsfähiges Netz.
Foto: Immobilienscout24

Ein anderes Thema bei der 10-Gbit/s-Netzaufrüstung war die Frage, ob man bei Cisco, dem bisherigen Lieferanten der aktiven Netzkomponenten bleiben, oder einen Neuanfang mit einem anderen Hersteller wagen sollte? Für den bislang eingesetzten Hersteller sprach vor allem seine Reputation. Auf der anderen Seite waren Nawojan und seine Mitarbeiter mit dessen Support und Service sehr unzufrieden. Gleichzeitig hatte das Konzept des bisherigen Netzlieferanten einen gravierenden Nachteil: Sein Ansatz der Netzvirtualisierung mit Blick auf das Switching im Rack ist in den Augen von Nawojan zu kompliziert und hätte ein Redesign der Serverinfrastruktur impliziert. Eine Arbeit auf die man bei Immobilienscout 24 nicht unbedingt scharf war, denn immerhin sind rund 60 physikalische Server im Einsatz, auf denen rund 400 virtuelle Server laufen. Vor diesem Hintergrund war für den Corporate-IT-Leiter eine Aggregierung des Switching im Rack ein Muss im Pflichtenheft, denn "wir wollen mit einer mittelbaren Virtualisierung möglichst viel Traffic im Chassis behalten". Dagegen steht eine Verschmelzung von Speicher- und Datennetz derzeit nicht auf der Agenda, zumal für den Team Lead Corporate IT Karch Fibrechannel over IP noch zu wenig technisch erprobt ist. Ferner wollte man das Speichernetz unter Aspekten des Investitionsschutzes derzeit nicht anfassen.

Vor diesem Hintergrund reifte bei Immobilienscout 24 die Entscheidung, den Netzausrüster zu wechseln. Allerdings wollte man gleichzeitig bei der Wahl des Anbieters keine großen Experimente eingehen. Gute Erfahrungen hatte das Corporate-IT-Team bislang mit dem Dell-Partner vor Ort gemacht, mit dem man seit 1998 in Sachen Servern und Clienttechnik zusammenarbeitet. Warum sollte man mit dem bewährten Partner in Kooperation mit der Dell Networking Group nicht auch beim Netz-Upgrade zusammenarbeiten? Ein Gedanke für den noch ein anderer Aspekt sprach: Durch die jahrelange Arbeit in der Dell-Welt erwartete man keinen großen Lernbedarf, da die Mitarbeiter mit den grundlegenden Prinzip vertraut sind. Eine These, die sich bei der anschließenden Evaluierung der Force10-Switches bewahrheitete. In den Tests, die gemeinsam mit dem externen Partner durchgeführt wurden, erfüllten die Netzkomponenten die technischen Ansprüche des Corporate-IT-Teams, so dass der Startschuss zur Migration erfolgte.

Während der Migration zeigte sich dann wieder einmal, dass Dinge, die im Testnetz klappen, nicht unbedingt automatisch im Produktivnetz funktionieren. Obwohl Normen und Standards definieren, wie etwa Switches Routen lernen oder Spanning-Tree-Informationen austauschen, klappte das in der Praxis nicht. "Wir mussten unsere Switches neu booten", so Nawojan, "erst dann funktionierte der Spanning Tree wieder." Doch das war nicht die einzige Schwierigkeit mit der das Corporate IT-Team bei der Migration zu kämpfen hatte. "Trotz aller Redundanz stand ab und an das Netz plötzlich", erzählt der Corporate-IT-Manager aus der Praxis. Die naheliegende Vermutung, dass doch eventuell jemand beim Anschluss der neuen Komponenten einen Loop gelegt hatte, bewahrheitete sich nicht. Zwei andere mögliche Fehlerursachen, etwa dass der Spanning Tree zwischen Core- und Cisco- sowie Force10-Switches nicht korrekt aufgebaut wurde oder dass das Management-System plötzlich Broadcasts verschickt, ließen sich nicht hundertprozentig validieren. Nawojan zieht aus diesen Vorfällen seine Lehre: "Aktive Komponenten sollten im laufenden Betrieb nicht umgehängt werden, egal was die Hersteller versprechen". Trotz dieser kleineren Schwierigkeiten sind Nawojan und Karch zuversichtlich das Projekt Netz-Upgrade wie geplant im vierten Quartal 2013 abschließen zu können.