Der Markt für Business Intelligence

Microstrategy warnt vor BI-Konglomeraten

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Nach der Marktkonsolidierung erklärt der Hersteller wie er SAP, IBM und Oracle Paroli bieten will.

Harsche Töne schlägt Microstrategy, Anbieter von Business-Intelligence-Software, gegenüber dem Wettbewerb an. Auf seiner Jahreskonferenz in Miami warnte das Unternehmen die rund 1200 Teilnehmer davor, bei der Analyse und Aufbereitung von Geschäftsinformationen auf proprietäre "Konglomerate" aus Business- und BI-Software zu setzen (nachzulesen auch in einer eigens publizierten Streitschrift). Diese entstünden derzeit durch die Übernahme von BI-Spezialisten wie Cognos durch IBM, Business Objects durch SAP oder Hyperion durch Oracle.

Microstrategy-Manager Sanju Bansal und Mark LaRow sehen noch viel Platz und Zeit für Innovationen im BI-Markt.
Microstrategy-Manager Sanju Bansal und Mark LaRow sehen noch viel Platz und Zeit für Innovationen im BI-Markt.
Foto: Microstrategy

Laut Sanju Bansal, Chief Operation Officer von Microstrategy, stehen bei der Entwicklung der gekauften Konkurrenzprodukte künftig nicht mehr Innovationen und offene Schnittstellen an erster Stelle, sondern deren Anpassung an die Systemlandschaften von SAP und Co. und deren Kundenbedürfnisse. Viele Anwender besäßen aber heterogene Datenhaltungen und benötigten für BI eine durchgängig gute Integration in beliebige Datenbanken, Portale Web-Server etc. "Es wird für Kunden immer schwieriger, ihre Datenbank zu wechseln", sagte Bansal mit einem Seitenhieb auf Oracle und IBM.

Dashboards und Integration

Laut Microstrategy ist der BI-Markt trotz der Konsolidierung unter den Anbietern noch lange nicht gesättigt. Auch Technisch könne man für weitere 20 Jahre mit Innovationen rechnen, sagte Mark LaRow, Vice President Products. Die eigene Strategie soll sich daher ganz auf die Weiterentwicklung der eigenen Produktplattform konzentrieren, die vor allem zur Analyse und Visualisierung großer (relationaler) Datenmengen dient. Im Mittelpunkt stehen dabei Themen wie interaktive und dynamische Dashboards, die auf Ajax und Flash basieren und durch eigene Widgets erweiterbar sind. Ferner soll die Entwicklung und das Design von Berichten leichter werden und neben der bereits gebotenen Integration in Adobe Flex auch eine solche in die Entwicklungsumgebungen Eclipse und für Microsoft .NET gestatten. Die 64-Bit-Produktarchitektur des Herstellers soll für die Arbeitsspeicher-basierende Verarbeitung großer Datenmengen weiter getrimmt werden und sich in Unternehmensanwendungen und -prozesse über Web Services (Http und SOAP) integrieren lassen. Ebenso sei die Nutzung von Virtualisierungstechnik für das Deployment angedacht.

Fokus statt Breite

Doch ob eine solche technisch ausgerichtete Strategie angesichts der Vertriebs- und Marketing-Macht der neuen "Mega vendors" ausreicht, bleibt abzuwarten. Ferner bekommt es der Hersteller mit vielen Nischenplayern zu tun, die ebenfalls auf Innovationen setzen. Laut Bansal hat Microstrategy in der letzten Zeit weltweit Personal eingestellt, um sich für den Wettbewerb zu rüsten. Vor allem bei Service und Beratung sehe er gute Umsatzchancen, da viele Kunden an der Entwicklung eigener BI-Lösungen arbeiten würden und Hilfe benötigten. Einkünfte kämen aktuell auch aus dem Markt für kleine und mittelständische Unternehmen.

Neuere Anwendungsgebiete für Business Intelligence wie Planung, Budgetierung und Konsolidierung, oder die Vermietung von BI-Software haben hingegen keine Priorität beziehungsweise werden abgelehnt: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich in den kommenden sechs bis zwölf Jahren BI-Anwendungen wirtschaftlich hosten lassen, weil sich deren Quelldaten und Modelle ständig verändern". BI bleibe eine komplexe Technik, die sich laufend weiterentwickle, betonte Produkt-Manager LaRow. Natürlich spüre man den Gegenwind im Markt, doch Unternehmen würden auch künftig Produkte genau vergleichen.