Microstrategy 9 flexibilisiert die Datenanalyse

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Mit der Plattform für Business Intelligence lassen sich lokale Projekte bündeln, speicherbasierende Abfragen starten und diverse Datenquellen anzapfen.

Microstrategy 9 soll im zweiten Quartal allgemein verfügbar sein. Wie in früheren Ausführungen der BI-Plattform stehen bei der neuen Version technische Finessen und der Ausbau der Produktarchitektur im Vordergrund. Analytische Anwendungen beispielsweise für Planung sucht der Kunde weiterhin vergeblich. Trotzdem stellt Microstrategy 9 interessante Neuerungen für Analyse und Reporting in Aussicht.

Erstmals haben Anwender die Möglichkeit, lokal entstandene BI-Lösungen in zwei Schritten auf einer zentralen Reporting-Plattform zu vereinen: Dazu können sie zunächst vorhandene Metadaten und Berichte in Microstrategy 9 überführen und in einem multidimensionalen Datenmodell ohne Anpassungen weiterverwenden. Im zweiten Schritt lassen sich bei Bedarf auch die eigentlichen Daten der Abteilungslösungen in dem Data Warehouse vereinen.

Integrierte In-Memory-Datenbank

Weitere Neuerungen in Microstrategy 9 betreffen den Datenzugriff. So bietet die Software erstmals einen umfassenden Ansatz für die schnelle, 64-Bit-basierende Datenauswertung im Arbeitsspeicher (In-Memory Analytics). Mit solcher Technik werben beispielsweise auch die Konkurrenten Qliktech, Cognos/IBM, Oracle und SAP/Business Objects. Laut einer Analyse von Steffen Vierkorn, Berater beim Business Application Research Center (Barc) in Würzburg, weist der Ansatz von Microstrategy allerdings einige Besonderheiten auf: So sind für den Aufbau einer In-Memory-Anwendung keine Änderungen an den Datenanbindungen oder an den entwickelten Berichten erforderlich. Anders als beim Caching wählt der Administrator Teilbereiche eines Datenmodells oder einzelne Objekte aus und speichert sie für einen schnelleren Zugriff in einer speziellen, aber in Microstrategy integrierten Datenbank. Dieser Ansatz ist laut Vierkorn bisher einmalig im Markt, da andere Anbieter ihre In-Memory-Datenbank nicht in die BI-Plattform integriert haben.

Für Endanwender ist der Datenzugriff trotz verschiedener Datenbanken transparent. Ihre Abfragen werden, wo möglich, auf dem vom Hersteller als "Rolap Cubes" bezeichneten In-Memory-Datenbeständen ausgewertet, statt jedes Mal die eigentliche BI-Datenbank zu belasten. Vor allem für komplexe Abfragen beim Reporting und beim Einsatz von Dashboards soll dieses Verfahren Zeit sparen. Zudem können Entwickler mit Hilfe der Metadaten Berichtsanwendungen erstellen, die ihre Daten sowohl aus dem Rolap Cube als auch aus der BI-Datenbank beziehen und kombinieren können.

Einen vereinfachten Datenzugriff verspricht auch eine neue "Multi Source Engine". Sie gestattet erstmals in einer Query die Kombination unterschiedlicher Datenquellen über eine semantische Schicht, ohne dass der Anwender die Daten lokal speichern muss. In einem Bericht können so Daten aus Datenbanken wie Oracle 11g oder dem Microsoft SQL Server 2008 direkt zusammenkommen. Die Definition der Verknüpfungen nimmt der Administrator vor und erleichtert so den Benutzern die Report-Erstellung.

Dashboards und Web-Zugriff

Fortschritte gibt es auch bei den Clients. Neben bereits vorab präsentierter Dashboard-Technik orientiert sich der Full-Client nun grafisch am "Office 2007" und wirkt dank der Nutzung von "Ribbons" auf den Betrachter aufgeräumt. Zudem geht der Hersteller einen bisherigen Schwachpunkt an: Anders als beispielsweise bei Cognos ließen sich viele Funktionen des BI-Clients bisher nicht über das Web nutzen. Mit der neuen, auf Ajax-basierenden Client-Architektur und der Komplettierung entsprechender Features soll dieses Manko nun weitgehend behoben sein.