D9

Microsofts Vorstellung von "Windows 8" lässt etliche Fragen offen

03.06.2011
Microsoft will mit einem runderneuerten Windows-Betriebssystem die Begeisterung der Anwender für den PC wiederbeleben.

Auf der Technologie-Konferenz "D9 - All Things D" stellte der weltgrößte Softwarekonzern eine frühe Testversion von "Windows 8" vor, das auf Tablet Computern und auch auf herkömmlichen PCs laufen wird. "Mit diesem System unternehmen wir die größten Änderung seit Windows 95", sagte Windows-Manager Steven Sinofsky am Mittwoch (Ortszeit) auf der D9 in der Nähe von Los Angeles.

Die Startseite von "Windows 8" sieht aus wie ein zu groß geratenes Windows Phone 7.
Die Startseite von "Windows 8" sieht aus wie ein zu groß geratenes Windows Phone 7.
Foto: Microsoft

Microsoft mit seinem traditionell wichtigsten Produkt Windows steht derzeit an vielen Fronten unter Druck. Die Begeisterung der Verbraucher für Tablet-Computer drückt den Absatz traditioneller PCs. Zudem arbeitet sich Apple mit seinen Macs Schritt um Schritt auch im Computermarkt nach vorn. Und bei Smartphones fristet Microsofts Windows Phone bislang ein Schattendasein und liegt weit hinter dem Google-Betriebssystem Android und Apples iOS zurück. Auch angesichts dieser Probleme will Microsoft mit Windows 8 ein Betriebssystem für alle möglichen Geräteklassen auf den Markt bringen.

Die Optik der neuen Startseite von Windows 8 erinnert stark an den "Metro"-Look von Windows Phone 7, des Microsoft-Systems für Smartphones. Microsoft verzichtet hier auf den gewohnten Start-Knopf links unten für den Aufruf des Programm-Menüs, der mit Windows 95 eingeführt wurde. Außerdem fehlt am unteren Bildschirmrand die sogenannte Taskleiste, in der sonst die Symbole der geöffneten Programme und Dokumente zu sehen sind. Programme für die neue Oberfläche werden mit Web-Technologien (HTML und JavaScript) geschrieben. Dazu gehören auch die von Windows Phone 7 bekannten "Live-Kacheln", die Inhalte aus dem Web wie Wetter-Informationen oder Status-Meldungen von lokal installierten Programmen ständig aktualisiert darstellen.

Das neue Windows kann nun ohne Verrenkungen mit Fingergesten auf einem berührungssensitiven Bildschirm bedient werden, aber auch ganz traditionell mit Maus und Tastatur. Die aus den vorherigen Windows-Versionen Vista und Windows 7 bekannte "Aero"-Oberfläche ist aber nicht komplett verschwunden. So erscheinen beispielsweise beim Start eines Office-Programms von Microsoft der Start-Button und die übliche Taskleiste.

Handelt es sich bei "Windows 8" also nur um einen Zuckerguss, der über das alte System gegossen wurde? Microsoft-Managerin Julie Larson-Green wies auf der Konferenz entsprechende Vermutungen entschieden zurück. Bei Windows 8 gehe es nicht um eine zusätzliche Schicht ("Layer"), die auf das alte Windows gelegt worden sei, sondern um ein vollständiges Betriebssystem. Wie sehr das alte Windows unter der neuen Oberfläche durchschimmern wird, kann man aber zu diesem frühen Zeitpunkt nur schwer beurteilen.

Ein radikaler Wechsel findet jedenfalls "unter der Haube" von Windows statt. Das neue System unterstützt nämlich nicht nur die traditionelle Chip-Familie x86 von Intel und Advanced Micro Devices (AMD), sondern auch die ARM-Architektur, die in Tablet Computern wie dem iPad oder dem Motorola Xoom zu finden ist.

Schwammig blieben die Microsoft-Vertreter bei der Frage, wann der Nachfolger von Windows 7 auf den Markt kommen wird. Windows-Manager Sinofsky ließ sich immerhin entlocken, dass in diesem Herbst noch nicht mit Windows 8 zu rechnen sei. Vermutlich werden die Kunden aber noch sehr viel mehr Geduld aufbringen müssen. Microsoft stellt üblicherweise alle zwei bis drei Jahre eine neue Windows-Version vor. Die jüngste Variante, Windows 7, wurde im Oktober 2009 auf den Markt gebracht. Danach könnte es bis Herbst 2012 dauern, bis Windows 8 dann endlich erscheint.

Bei Microsoft arbeiten nach Angaben von Sinofsky insgesamt rund 6000 Beschäftigte an Windows und dem Onlinedienst Windows Live, darunter 1600 Software-Ingenieure. Windows trägt neben der Bürosoftware Office maßgeblich zu den Gewinnen von Microsoft bei, während die unter der Marke "Bing" zusammengefassten Online-Aktivitäten große Verluste verursachen. (dpa/tc)

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