Zurück zu alter Stärke

Microsofts Cloud-Transformation kommt in Fahrt

18.06.2014
Dr. Carlo Velten schreibt als Experte zu den Themen Cloud-Platforms und -Developers, Enterprise Cloud Management und Digital Business. Dr. Carlo Velten ist CEO des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Marketing- und Strategiefragen.
Microsoft diente in den letzten Jahren gern als Prügelknabe der Analysten und Presse. Zu langsam vollziehe das Unternehmen die eigene Cloud-Transformation, die von den Partnern und Kunden so vehement eingefordert wird. Doch wie steht es kurz vor Beginn des neuen Geschäftsjahres? Welche Rolle wird Microsoft im Cloud-Business in den kommenden Jahren spielen?

Beim Blick zurück stellt man fest, dass Microsoft einige Riesenbaustellen aufmachen musste, um das Unternehmen vom klassischen Software-Lizenzgeschäft in die Cloud Service-Welt zu überführen. Für viele Marktbeobachter schienen die Herausforderungen nahezu unüberwindbar und Microsoft als einer der Verlierer des großen Cloud-Hypes - immer auf der Suche nach Anschluss an Salesforce, Google und AWS. Doch verhält es sich wirklich so? Wer wird in der kommenden Phase des Enterprise-Cloud Computing die Nase vorn haben?

Foto: Natalia Merzlyakova, Fotolia.com

Vom Cloud-Hype zum Enterprise-Cloud Computing

Nach einer Inkubations- und Testphase in den Jahren 2008 bis 2013 ist Cloud Computing mittlerweile in der Unternehmensrealität angekommen. Und diese stellt deutlich höhere und komplexere Anforderungen an die Cloud-Lösungen der Anbieter und ihrer Partner.

Konnten in den vergangenen Jahren SaaS-Anbieter relativ leicht mit kleinen Nutzerzahlen in den Unternehmen Fuß fassen, so steht nun der unternehmensweite Rollout neuer Cloud-Lösungen und deren Verzahnung mit den Backendsystemen und bestehenden Applikationslandschaften (ERP, CRM etc.) an. Und hier stoßen viele der reinen Public Cloud-Anbieter (Salesforce, AWS, Google) an ihre Grenzen.

Diese sind seit kurzem bestrebt, als Enterprise-IT-Anbieter wahrgenommen zu werden und gehen strategische Partnerschaften mit den etablierten IT-Vendors ein (z.B. Salesforce/Microsoft oder Salesforce/T-Systems). Nur so haben sie eine Chance, auch hybride Cloud-Umgebungen zu unterstützen und die Anforderungen klassischer Unternehmenskunden erfüllen zu können.

Es zeigt sich deutlich, dass sich das schnelle Wachstum mit den reinen "Self Service" Cloud-Diensten nur noch über Partner realisieren lässt, die auf diesen Plattformen aufsetzend daraus Managed Services bauen. Denn die Anforderungen der Kunden werden komplexer, die Cloud-Workloads unternehmenskritisch. Vorbei sind die Zeiten, in denen eine stand-alone Webapplikation auf einer Cloud-Plattform noch als großer Erfolg gefeiert werden konnte. Das ist mittlerweile Standard.

Cloud-OS - Richtige Antwort auf die hybride Cloud-Welt

Gemessen an den oben skizzierten Anforderungen befindet sich Microsoft im Jahr 2014 in einer sehr guten Ausgangslage. So können derzeit nur sehr wenige andere Player ihren Kunden ein so umfassendes Cloud-Technologie- und Service-Portfolio in nahezu allen Deployment-Varianten (Private, Public, Hybrid, Partner-hosted) bieten.

Innerhalb des Microsoft-Universums kann der Kunde jetzt frei wählen, nach welchem Modell und vor allem in welchem Datacenter er seine Cloud betreibt. So lässt sich beispielsweise die Microsoft PaaS-Technologie nun auch in einer Hosted Variante (Azure Pack) bei lokalen Partner vor Ort nutzen - ein großer Vorteile für viele deutsche ISVs und Anwender. Zwar ist die Cloud-OS-Story komplex und der Produkt-Pitch gegenüber Partnern und Kunden nicht ganz einfach. Trotzdem ist Cloud-OS die richtige Antwort auf die Fragen der hybriden Cloud-Realität.

Aus dieser Perspektive ist auch die kürzlich verkündete Partnerschaft mit Salesforce zu werten. Die engere Verzahnung des Salesforce-CRM mit den Office- und Collaboration-Lösungen von Microsoft zeigt, wie wichtig die Interoperabilität verschiedenere Cloud-Anwendungen und -Anbieter für die CIOs mittlerweile ist.

Microsoft erwartet, die Umsätze mit Cloud-Lösungen in den nächsten zwei Jahren um mindestens 40 Prozent zu steigern.
Microsoft erwartet, die Umsätze mit Cloud-Lösungen in den nächsten zwei Jahren um mindestens 40 Prozent zu steigern.
Foto: Crisp Research

Azure 2.0 - Eine Cloud-Plattform reift heran

Von der Ursprungsidee - eine vollintegrierte Betriebsumgebung maßgeblich für .NET-Anwendungen bereitzustellen - ist nicht mehr viel übrig geblieben. Und das ist gut so. Denn heute bildet die Microsoft Azure-Plattform eine der vielseitigsten und leistungsstärksten Compute-Plattformen (IaaS und PaaS) für Entwickler, Integratoren und Unternehmenskunden.

Microsoft hat erkannt, dass Offenheit die Grundlage für ein funktionierendes Ökosystem ist. So werden auf Microsoft Azure mittlerweile nicht nur alle relevanten Programmiersprachen und IDEs unterstützt sowie virtuelle Maschinen mit Linux als Betriebssystem angeboten. Durch eine Vielzahl an strategischen Partnerschaften schafft Microsoft seinen Kunden Freiräume für den reibungslosen und zertifizierten Betrieb weit verbreiteter Infrastruktur-Technologien (z.B. MongoDB, Hadoop) und Business-Lösungen, wie z.B. Oracle Datenbanken und SAP-Anwendungen.

Zu den Meilensteinen der letzten Jahre zählen:

• Erweitertung der Platform um IaaS (April 2013)

• Bereitstellung von Hadoop auf Azure unter "HDInsight" (Oktober 2013)

• Betrieb von Oracle Datenbanken auf Azure (März 2014)

• Vorstellung einheitlicher, Azure-basierter Identity Management und Mobile Device Management Services unter "Enterprise Mobility Suite" (April 2014)

• Direkte Azure-Anbindung mittels ExpressRoute für hybride Enterprise-Clouds (April 2014)

• Zertifizierter Betrieb von SAP-Applikationen in der "SAP Cloud Appliance Library" (Mai 2014)

Die Lösungsvielfalt und hybriden Betriebsszenarien machen die Azure-Plattform zu einer der interessantesten Alternativen für Partner und Anwender. Zwar erfordert die Komplexität der Plattform einiges an Know-How. Dafür hat Microsoft einige der dringenden technischen Probleme der Anwender z.B. bei der Verwaltung von Nutzern (umfassender Integration von Active Directory) gelöst.