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Microsoft zahlt 536 Millionen Dollar an Novell

08.11.2004
Für eine gute halbe Milliarde Dollar kauft sich Microsoft aus der Kartellklage wegen Netware heraus. In Sachen Wordperfect ließ sich Novell aber noch nicht besänftigen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Money makes the World go 'round: Microsoft hat weitere Rechtsstreite beigelegt. Es zahlt dazu 536 Millionen Dollar an den Netzbetriebssystem-Wettbewerber Novell und hat außerdem eine Einigung mit einem Branchenverband erzielt, der das Kartellverfahren der EU gegen den Redmonder Konzern massiv unterstützt hatte.

Microsoft erklärte außerdem, es müsse womöglich noch weitere bis zu 950 Millionen Dollar für weitere Kartellprozesse zahlen. Seit es des Missbrauchs seines Windows-Monopols für schuldig befunden worden war, hatte das Unternehmen bereits Dispute mit America Online (AOL) und Sun Microsystems außergerichtlich beigelegt.

Im Falle von Novell ging es um dessen Betriebssystem Netware, das im Server-Markt gegen Windows konkurriert. Im Gegenzug für Microsofts Zahlung zieht sich Novell aus dem europäischen Kartellverfahren zurück.

Die in Washington ansässige Computer and Communications Industry Association (CCIA), die in den vergangenen Jahren mehrfach gegen Microsoft juristisch vorgegangen war, veröffentlichte die Summe nicht, die sie im Zuge der Einigung mit den Redmondern kassiert.

Für die Zahlung an Novell schreibt Microsoft in der bereits veröffentlichten Bilanz seines ersten Fiskalquartals nachträglich eine Sonderbelastung von 359 Millionen Dollar oder drei Cent pro Aktie ab. Der revidierte Quartalsgewinn sinkt dadurch auf 2,53 Milliarden Dollar.

Einen weiteren Streit um "Wordperfect" haben Novell und Microsoft jedoch noch nicht aus der Welt geschafft. Novell will deswegen noch in dieser Woche in Utah eine Kartellklage nach US-amerikanischem Bundesrecht einreichen. Darin wirft es Microsoft vor, es habe unrechtmäßig gehandelt, als es während der 90er-Jahre mit seiner Office-Suite Novells Produkt aus dem Markt drängte.

"Wir hatten intensive Verhandlungen mit Microsoft, um unsere Differenzen auszuräumen, konnten uns aber trotz aller Bemühungen nicht zu akzeptablen Bedingungen einigen", kommentierte Novells Generaljustiziar Joseph LaScala. Sein Microsoft-Gegenpart Brad Smith erklärte: "Wir konnten die Forderungen bezüglich Wordperfect nicht einer uns angemessen erscheinenden Weise beilegen und sind bereit, diese vor Gericht lösen zu lassen." (tc)