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Microsoft will Sender ID via Hotmail durchdrücken

23.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Etwa im November dieses Jahres will Microsoft bei Hotmail und MSN nur noch E-Mails durchlassen, deren Absender über Sender ID authentifiziert ist. Andere Mails werden als potenzieller Spam markiert, wie Craig Spiezle, Director in der Technology Care and Safety Group des Redmonder Konzerns gestern ankündigte. Mit diesem Schritt wolle Microsoft die Verbreitung von Sender ID vorantreiben.

Kritiker halten das für falsch. Sender ID, das von Microsoft entwickelte Technik enthält, sei kein akzeptierter Standard mit vielen Unzulänglichkeiten. Außerdem gibt es konkurrierende Techniken wie DomainKeys, das unter anderem von Yahoo propagiert wird. "Wir denken, Microsoft zwingt die Branche dazu, einen unvollständigen und nicht akzeptierten Standard einzuführen", erklärte beispielsweise Dave Rand, Chief Technologist bei Trend Micro.

Ray Everett-Church, Mitgründer der Coalition Against Unsolicited Commercial E-Mail und Co-Autor des Buches "Fighting Spam for Dummies", pflichtet bei: "Microsoft versucht seit einige Jahren, dass die Internet-Community die Kröte Sender ID schluckt, mit bislang wenig Erfolg." Da Sender ID kaum verbreitet sei, drohe nun vielen Internet-Nutzern, dass ihre ganz legalen Mails bei Hotmail-Empfängern als Spam abqualifiziert würden.

Auch Microsoft weiß, dass erst rund eine Million Domains ein Sender Policy Framework (SPF) veröffentlicht - ein Bruchteil der 71,4 Millionen weltweit registrierten Adressbereiche von Ende vergangenen Jahres. Message Labs weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass aber rund 30 Prozent aller weltweit versandten E-Mails mit Sender ID gekennzeichnet sind, weil einige sehr große Versender wie AOL das Verfahren unterstützen.

Ein Problem von Sender ID ist laut Experten, dass es nicht mit Weiterleitungsdiensten funktioniert. Die Internet Engineering Task Force (IETF) hatte ihre Sender-ID-Arbeitsgruppe im September vergangenen Jahres eingestellt. Microsoft treibt die Technik trotzdem weiter voran - vielleicht weil Bill Gates einmal leichtsinnigerweise versprochen hatte, bis zum Jahr 2006 das Problem Spam in den Griff zu bekommen.

Microsoft-Mann Spiezle findet jedenfalls, dass die Pläne seines Unternehmens ein hinreichender Incentive seien, Sender ID zu implementieren. Und ein SPF sei relativ schnell und einfach erstellt. Jonathan Penn von Forrester Research ist dagegen sicher, dass das Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist - speziell bei einem derart engen Terminrahmen. "Hotmail ist nicht in der Position, Unternehmen die Einführung von Sender ID zu diktieren", erklärte der Analyst. Dafür brauche man Zeit und Geld, und beides sei für solche Projekte in diesem Jahr kaum mehr locker zu machen. (tc)