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Microsoft will RSS multidirektional ausbauen

24.11.2005
Microsoft arbeitet an einer Erweiterung von Really Simple Syndication (RSS), die den Abgleich zwischen mehreren Feeds ermöglichen und damit ganz neue Anwendungen erschließen soll.

Es hat dazu die "Simple Sharing Extensions" (SSE) entwickelt, deren Spezifikation derzeit in Version 0.9 vorliegt. SSE soll es ermöglichen, Inhalte zu verwalten und abzugleichen, die von zwei oder mehr Parteien gepflegt werden.

Ein Beispiel: Zwei PC-Nutzer möchten über RSS-Feeds eine Liste von Dingen gemeinsam nutzen und editieren. Beide publizieren ihre jeweilige Liste dazu über RSS mit SSE-Erweiterungen, und jeder abonniert des anderen Feed. Wann immer einer von beiden seine Liste ändert, werden die Modifikationen in den eigenen Feed und in die Liste des anderen Abonnenten übernommen.

SSE führt dazu Konzepte wie eine Änderungshistorie pro Eintrag (zur Verwaltung von Versionen und Update-Konflikten) oder so genannte Tombstones ("Grabsteine", zum Löschen oder Wiederherstellen) ein.

Die Spezifikation ließe sich dann auch nutzen, um beispielsweise das Adressbuch eines Nutzers über mehrere Endgeräte (PC, Notebook, PDA, Mobiltelefon...) hinweg zu synchronisieren, wie Microsofts neuer CTO Ray Ozzie in seinem Weblog schreibt. Oder Mitglieder einer Familie könnten ausgewählte Einträge aus ihren persönlichen Kalendern damit gemeinsam nutzen.

Fragt sich nun, ob Microsoft mit seinen Erweiterungen - andere sind ebenfalls in Arbeit - RSS für sich "vereinnahmen" will. In dieser Hinsicht hat der Konzern eine eher unrühmliche Geschichte (Java etc.), wie Ovums Principal Analyst Chris Harris-Jones befindet: "Microsoft ist berüchtigt dafür, so genannte 'Standards' zu entwickeln, bei denen es sich in Wahrheit um 'Microsoft-Standards' handelt."

SSE zumindest haben die Redmonder unter der gleichen Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht, der auch RSS 2.0 unterliegt. Außerdem glaubt Microsoft nicht, dass es irgendwelche Patente auf die RSS-Erweiterung besitzt. Falls doch, werde man eine gebührenfreie Lizenz "zu vernünftigen und nicht diskrimierenden Bedinungen" anbieten.

Ovum-Mann Harris wundert sich außerdem, warum Microsoft gerade RSS 2.0 zur Grundlage der SSE-Entwicklung gemacht hat. Die Universität Harvard, Gralshüter der Spezifikation, hat bereits angekündigt, diese nicht mehr weiter zu entwickeln. Da wäre es sinnvoller gewesen, den dedizierten Nachfolger Atom zu unterstützen, der heuer der Internet Engineering Task Force (IETF) zur Standardisierung übergeben wurde.

Es wäre aus Sicht von Harris wünschenswert, dass Microsoft Atom unterstützen und dann SSE gleich mit zur Standardisierung einreichen vorlegen würde, damit es Teil eines international anerkannten Standards werde. "Ansonsten - und hier bin ich sehr zynisch - enden wir womöglich mit Microsofts RSS, das nur Microsoft benutzt, und Atom, das der Rest der Welt benutzt.

Microsoft erklärte, es habe RSS unter anderem aufgrund seiner einfachen Technik ausgewählt. Die SSE-Erweiterungen ließen sich "prinzipiell" auch auf Atom anwenden, die funktioniere aber in der bisherigen Version nicht. SSE unterstütze dafür aber bereits OPML (Outline Processor Markup Language) für hierarchisch geordnete Listen.

Die Entwicklung von SSE sei unabhängig von Microsofts anderen RSS-Projekten wie der geplanten RSS-Unterstützung im IE7 und in Windows Vista oder den "Simple List Extensions", mit denen Web-Seiten einfacher Listen wie Fotoalben oder Musik-Playlists veröffentlichen können. (tc)