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Expression Studio und Silverlight 3.0

Microsoft will RIA-Entwicklung revolutionieren

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In der Keynote seiner Entwicklerveranstaltung MIX09 in Las Vegas hat Microsoft Neuerungen seiner RIA-Entwicklungsumgebung (Rich Internet Applications) "Expression Studio" sowie der korrespondieren "Silverlight"-Runtime vorgestellt.

Sowohl Expression Studio als auch Silverlight erscheinen im Spätsommer - sprich Juli oder August - jeweils in der neuen Version 3.0. Zur MIX veröffentlicht der Redmonder Konzern bereits kostenlose Vorschau-Versionen, in denen aber zum Teil noch wichtige Features fehlen. "Expression Web" bekommt eine derzeit unter dem Namen "Super Preview" gehandelte Komponente, welche die gleichzeitige Live-Vorschau einer bearbeiteten Web-Seite in verschiedenen Browsern gestattet. Enthalten ist bereits die Rendering-Engine des (leider noch immer weit verbreiteten) IE6, die Entwickler somit auch unter Vista und Windows 7 ohne den Umweg über eine Virtuelle Maschine mit älterem Windows nutzen können. "Super Preview" wird auch standalone lauffähig sein.

Expression Blend 3.0 verspricht einen nahtlosen Designer-Developer-Workflow.
Expression Blend 3.0 verspricht einen nahtlosen Designer-Developer-Workflow.

Mit "Expression Blend" wird man laut Microsoft zukünftig erstmals eine Internet-Anwendung vom ersten Prototypoing-Scribble bis zur fertigen Applikation durchgängig bearbeiten können. Das Zauberwort hierfür heißt "Sketchflow", in das Elemente aus unter anderem Visio und Project eingeflossen sind. Schon die ersten Rohentwürfe einer RIA im Ablaufdiagramm sind funktionsfähige Controls und als Programme startfähig. Ergänzt wird Sketchflow durch einen visuellen State Manager. Zu jedem Zeitpunkt der Entwicklung lässt sich der aktuelle Projektstand über einen Runtime-Player an Kollegen verteilen, die wiederum Notizen und Kommentare als Metadaten anfügen können. Weitere Neuerungen in Expression Blend 3.0 sind sogenannte Behaviors für automatisierte Interaktionen, bessere Einbindung von Produktiv- oder Dummy-Daten, Integration mit dem "Team Foundation Server", ein verbesserter Code-Editor für Skriptsprachen, direkter Import von Bitmap- und Vektorgrafiken aus beispielsweise "Photoshop" und "Illustrator" sowie Unterstützung für Multi-touch.

Die Pixel-API und Shader-Effekte in Silverlight 3.0
Die Pixel-API und Shader-Effekte in Silverlight 3.0

Die RIA-Runtime Silverlight wurde nach Angaben von Microsoft bislang über 300 Millionen Mal heruntergeladen; mehr als 400.000 Entwickler befassen sich aktiv mir dem Browser-Plug-in. Der Konzern bietet es selbst für Windows und Mac sowie mittlerweile - auf dem Umweg über Novell und das Open-Source-Projekt Mono - als "Moonlight" auch für Linux an. Die wichtigsten Neuerungen der Version 3.0 dürften die Unterstützung für Offline-Funktionalität sowie die Möglichkeit sein, Deep Links auf bestimmte Zustände einer Rich Internet Application zu setzen. Dazu kommen noch perspektivische 3D-Funktionen, Bitmap-Effekte mit Hardware-Beschleunigung, eine deutlich verbesserte Text-Engine und Support für neue HD-Video-Codecs wie H.264 und RAW. Wer für Silverlight nicht mit Expression, sondern lieber mit dem quelloffenen Framework Eclipse entwickeln möchte, kann dies bald auch auf einem Macintosh-Rechner tun - das entsprechende, von Microsoft geförderte Plug-in erscheint zur MIX09 als CTP (Community Technology Preview).

Microsofts RIA-Plattform wird mit den Neuerungen erheblich interessanter und mächtiger und düfte in Gestalt von Applikationen künftig deutlich stärkere Verbreitung finden als bisher - nicht zuletzt angesichts der Vielzahl aktiver Microsoft-Entwickler. Wärmer anziehen muss sich vor allem der bisherige Platzhirsch Adobe, der in der Vergangenheit mit Flex/AIR und Flash das Marksegment noch recht deutlich dominiert hatte.