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Microsoft will Regeln für Zugriff auf den Quellcode vereinfachen

20.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft hat angekündigt, die Lizenzbestimmungen für ihre Shared Source Initiative einfacher zu gestalten. Künftig werde es nur noch drei Lizenzarten geben, die Einblick und Zugriff auf bestimmte Teile des Quellcodes von Microsoft-Programmen reglementieren, versicherte Jason Matusow, Leiter des Shared-Source-Programms von Microsoft. Die überarbeiteten Lizenzformen sollen in erster Linie die Komplexität für Entwickler verringern.

Microsoft hatte die Shared-Source-Initiative vor über zwei Jahren gestartet, um ausgewählten Kunden und Partnern Einblicke in Teile des eigenen Quellcodes zu gewähren. Vor allem Konzernkunden und Behörden hatten vehement gefordert, Microsoft müsse mehr Informationen zu seiner Software offen legen. Die Verantwortlichen aus der US-amerikanischen Firmenzentrale in Redmond kamen diesen Forderungen zwar nach, reglementierten jedoch den Zugriff auf den Code durch verschiedene Lizenzformen. Deren Zahl erhöhte sich in den vergangenen Monaten auf zwölf (siehe auch: "Microsoft erweitert Shared-Source-Initiative" und "Kommt bald Open Source von Microsoft").

Das soll sich ändern. Künftig wird es mit der "Permissive License" (PL), der "Community License" (CL) und der "Reference License" nur noch drei Lizenzarten geben. Von den PL- und CL-Modellen soll es eingeschränkte Versionen geben, die "Limited Permissive License" (LPL) sowie die "Limited Community License" (LCL).

Die Permissive License lässt den Microsoft-Nutzern den größten Spielraum. Entwickler können den Code einsehen, verändern und weiter verbreiten, auch zu kommerziellen Zwecken. Die Community License basiert auf der Mozilla Public License. Wenn Entwickler in diesem Modell ein Stück Code modifizieren und weiterverbreiten, müssen sie die Hintergrundinformationen zu den Änderungen an die Community weitergeben. Mit der Reference License erlaubt Microsoft nur den Einblick in den Code, aber keine Veränderungen. Informationen zu den verschiedenen Lizenzformen hat der Konzern online bereit gestellt (www.microsoft.com/sharedsource).

Vertreter der Open-Source-Community hatten Microsoft in der Vergangenheit wiederholt dafür kritisiert, eifersüchtig über seinen Quellcode zu wachen und diesen nur sehr eingeschränkt zu teilen. Die Einschränkungen, wie mit dem Code verfahren werden dürfe, ständen nicht im Widerspruch zu Open Source, widersprach Matusow. Es gehe darum, zusätzlichen Wert für die Kunden zu schaffen. Schließlich dürfe es nicht sein, dass ein Kunde einen Patch einspielt und daraufhin das ganze System abstürzt, nur weil dieser den Quellcode verändert hat, begründet der Microsoft-Manager die Reglementierungen. Auf der anderen Seite müsse Microsoft lernen, dass Offenheit auch Werte für die Kunden schafft, räumte er ein.

Open-Source-Verfechter begrüßten die Microsoft-Initiative grundsätzlich. Allerdings waren auch skeptische Stimmen zu hören. Über den Wert der neuen Lizenzformen lasse sich derzeit noch gar nichts sagen, bemängelte beispielsweise Patrick Finch von Suns Open-Solaris-Initiave. Das lasse sich erst ermessen, wenn klar sei, welche Teile des eigenen Quellcodes Microsoft freigibt. Es sei zu befürchten, dass lediglich weniger interessante Randbereiche von Microsofts Produktspektrum unter die Shared-Source-Lizenzen fallen. Seine Kronjuwelen werde Microsoft wohl auch in Zukunft vor den begehrlichen Blicken der weltweiten Entwicklergemeinde verschließen. (ba)