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Microsoft will mehr Software als Service anbieten

16.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft arbeitet im stillen Kämmerlein an einem grundlegenden Umbau seines Softwareangebots. Der weltgrößte Softwarekonzern will seinen Kunden offenbar in Zukunft mehr Software als Service offerieren - ähnlich wie dies bereits Firmen wie Salesforce.com mit gehosteten Customer-Relationship-Management- (CRM-)Angeboten tun. Man werde sehen, dass Microsoft in dieser Richtung mehr unternehmen werde, kündigte der Firmengründer Bill Gates gegenüber dem US-amerikanischen Nachrichtendienst "Cnet" an.

Vor allem die Sparte Microsoft Business Solutions (MBS) könnte von dem Umbau betroffen sein. MBS-Chef Doug Burgum räumte ein, bereits für den Tag zu planen, an dem Software als gehosteter Service angeboten werden soll. Gates reihte Salesforce.com explizit in die Liste der Microsoft-Konkurrenten ein und erklärte, genau zu untersuchen, worauf sich der Erfolg des Unternehmens gründe.

Bislang blieben die Aussagen der Microsoft-Verantwortlichen jedoch eher vage. Details wie ein solcher Umstieg vonstatten gehen könnte, blieben bislang aus. Paul Wainewright, Analyst von Summit Strategies, rechnet jedoch damit, dass der Umbau alles andere als leicht fallen werde. Gerade in der Business-Sparte kämpfe der Konzern derzeit mit Schwierigkeiten. Das Vorhaben, eigene Applikationen und zugekaufte Produkte von Solomon, Great Plains und Navision auf eine neue, modernere Plattform zu hieven, wurde erst kürzlich in eine neue Richtung gelenkt. Statt das Portfolio auf einen Schlag umzustellen, soll die Software nun schrittweise über die nächsten Jahre hinweg in die neue .NET-basierende Welt hinübergeführt werden.

Inwieweit nun die neue Serviceorientierung diese Pläne beeinflussen wird, ist derzeit nicht abzusehen. Außerdem gilt es für Microsoft, auf diesem Weg noch einige Hürden aus dem Weg zu räumen. So wird sich der Konzern beispielsweise ein neues Pricing-Modell überlegen müssen. Die bislang geübte Praxis, Lizenz-, Service- und Wartungseinnahmen zu generieren, müsste auf eine monatliche Gebühr umgemünzt werden.

Die bisherigen Bemühungen Microsofts einen kontinuierlichen Einnahmestrom zu sichern, wurden von den Kunden eher zögerlich angenommen. Unter dem "Software Assurance Program" bezahlen Anwender jährlich eine Gebühr für die Nutzung der Software. Dafür erhalten sie Support und neue Programmversionen. Kunden beklagten sich jedoch, dass sie angesichts der zeitlich immer länger auseinander klaffenden Release-Updates kaum einen Gegenwert für ihr Geld bekämen.

Microsoft steht unter Druck, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln. Das historische Vorgehen, einmal für eine Lizenz zu kassieren, funktioniert, wenn alle zwei bis drei Jahre eine neue Version auf den Markt kommt, erläutert Paul DeGroot, Analyst von Directions on Microsoft. Die Abstände zwischen den Releases würden jedoch immer länger, beobachtet der Marktforscher. Daher sei Microsoft gezwungen, sich etwas Neues zu überlegen.

Überlegen muss sich Microsoft auch, was mit den Partnern geschehen soll. Bislang vertreibt der Konzern seine Produkte fast ausschließlich über ein weit verzweigtes Partnernetz. Sollte Microsoft seine Produkte künftig verstärkt als Service anbieten, entgeht den Partnern ein Teil ihres Geschäfts oder sie müssen sich neu im Markt als Service-Provider für die Microsoft-Software aufstellen.

Andere Experten räumen dem Konzern durchaus gute Chancen mit der neuen Strategie ein, darunter Sheryl Kingstone, Analystin der Yankee Group. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen trachteten derzeit danach, Komplexität innerhalb der eigenen IT-Infrastruktur zu verringern. Dabei könnten Serviceangebote für gehostete Software künftig eine größere Rolle spielen. Jedoch, so warnt die Marktforscherin, erwarteten die Kunden dann auch, dass die Software sofort auf Knopfdruck und vor allem reibungslos innerhalb und mit der eigenen IT-Landschaft funktioniere. Das will nicht so recht zu der bislang von Microsoft geübten Praxis passen, Software zu verkaufen und den Kunden bei der Implementierung mehr oder weniger sich selbst zu überlassen.

Microsoft scheint erst am Beginn seines Weges zu Softwareservices zu stehen. Wie die Angebote genau aussehen könnten, liegt noch im Dunklen. Vor einem kompletten Umbau des gesamten Portfolios scheint der Softwareriese jedoch zurückzuschrecken. So erwartet Microsofts Chefvisionär Gates eine gemischte Softwarewelt, in der sowohl gehostete Software sowie lokal auf den rechnern vorgehaltene Programme eine Rolle spielen werden. "Wir wollen beide Modelle bedienen und den Kunden die Möglichkeit bieten, zwischen beiden Welten hin- und herzuschalten. Aber wir werden bald mehr dazu zu sagen haben." (ba)